Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 97 Weiss.
Beschreibung der Handschrift nach Mordek
Aufbewahrungsort
WolfenbüttelHerzog August Bibliothek
Cod. Guelf. 97 Weiss.
Entstehung und Überlieferung
Entstehung:
8. Jh., 2. Hälfte; von Agambertus geschrieben (siehe Vermerk fol. 87v), nach B. Bischoff in Nord- oder Ostfrankreich, nach E. A. Lowe in Burgund
Provenienz:
Die Hs. trägt keine Weißenburger Bibliothekskennzeichen. 1690 kam sie mit zahlreichen Weißenburger Codices nach Wolfenbüttel. Unter Napoleon vorübergehend in der Pariser Bibliothèque Impériale.
Äußere Beschreibung
| Material: | Pergament |
|---|---|
| Umfang: | 86 foll. (numeriert 1-8, 10-87) |
| Maße: | 215 × 125 mm |
| Schriftraum: | 165-175 × 100-105 mm |
| Lagen: |
2 IV17 + V27
+ (IV-1)34 + IV42 + III43 + IV56 + (IV-1)63 + 2 IV79 + III85 + I oder 287
Kustoden: Buchstaben A (8v) bis L (85v); zusätzlich Zahlen II
(?) (17v), IIII (34v) bis VII (56v)
|
| Zeilen: | 18, 20 und 24 |
| Spalten: | 1 |
| Schrift: | vorkarolingische Minuskel |
| Ausstattung: |
Meist rote Unzialrubriken und rote Zahlen, 34r LXXVII PACTUS CHILDEBERTI REGIS und INCPT. TOTAS MALB. in Gelb; Initialen oft mit hübschen Tiermotiven (Vögeln, Schlangen, Fischen u. ä.), auch mit Band- und Blattmuster, gelb, rot und braun ausgemalt. |
| Einband: |
moderner roter Ledereinband (a. 1963) |
Inhalte
Anmerkung:
Nach K. A. Eckhardt, Pactus legis Salicae I 1, S. 133 f. u. ö. gehen die Codd. Wolfenbüttel Weißenb. 97, Paris Lat. 4404 und Leiden VLQ 119 im Bereich der Lex Salica und des Pactus pro tenore pacis „offensichtlich auf eine gemeinsame Vorlage zurück“, die sehr alt gewesen sein muß. Zu dieser Handschriftengruppe dürfte auch die Vorlage gehört haben, nach der Herold u. a. seine Capitula legi Salicae addita edierte; Eckhardt vermutete in ihr den verschollenen Fuldensis Ordo XLVI nr. 507 des Bibliothekskatalogs um 1550, vgl. MGH LL nat. Germ. 4, 1, S. XVI und Edition S. 239 ff.
Auch das auf die Lex Salica folgende römische Recht der Lex Romana Visigothorum zeichnet sich durch eine Besonderheit aus; es ist in dieser Form nur durch den Weissenburgensis überkommen.
Bibliographie
Literatur:
- Pertz G 1835, S. XVIII
- A. Holder, Lex Salica nach den Handschriften von Tours - Weissenburg - Wolfenbüttel und von Fulda - Augsburg - München (Leipzig 1879) S. 80-85
- Conrat 1891, S. 231 f.
- Boretius 1897, S. XVI
- Lindsay 1923, S. 52
- Stein 1947, S. 119, 128, 130
- Stein 1947a, S. 399
- Eckhardt K 1951, S. 8-13, 17-19 u. ö.
- Buchner 1952, S. 66-71, 102
- Eckhardt K 1954, S. 24 f. u. ö.
- Buchner 1955, S. 399 f.
- Eckhardt K 1955a, S. 7
- CLA 9 (1959) Nr. 1395, S. 45, 67
- S. Avalle, Sulla parodia della „Lex salica“, in: Rivista di cultura classica e medioevale (Studi in onore di Alfredo Schiaffini) 7 (1965) S. 32 f.
- Holter 1965, S. 77 Anm. 9
- Nehlsen 1977, S. 465 f.
- Mordek 1988, S. 70 Anm. 7
- McKitterick 1989, S. 44, 48 Tab. A
- Mostert 1989, S. 289
- de Sousa Costa 1993, S. 191 u. ö
- Woll I 1995, S. 12 ff.
Abbildungen:
- MGH SS rer. Merov. 7, Taf. II nach S. 470 (fol. 37r und 37v)
- Eckhardt K 1951, S. 12 (foll. 13v und 14r)
- Buchner 1952, Taf. I und II (foll. 1v, 4r, 13v, 14v, 37r)
Projektspezifische Referenzen:
- Mordek 1995, S. 958-960
- Coumert 2023, S. 13, 23, 32, 37, 38, 44; 54; 55, 66, 72, 89-96, 99-102, 104, 108, 110-114, 128, 129, 132-136, 140, 147, 166, 183, 193, 194, 199, 203, 217-225, 228, 231, 309, 325-326, 340, 341, 347, 389, 396-397
- Schulz 2026
- Bibliotheca legum regni Francorum manuscripta, Karl Ubl (Hg.) unter der Mitarbeit von Dominik Trump und Daniela Schulz, Köln 2012 ff.
Transkription
Editorische Vorbemerkung zur Transkription
Transkriptionsvorlage:
Schreiber
Die Schrift ist eine vorkarolingische Minuskel mit zahlreichen Ligaturen, vor allem mit r (ra-, re-, ri-, ro-, ru-); et und ex; fi und fu; nt-Ligatur mit auf dem Deckbalken stehenden t (z. B. fol. 34v Z. 7: firment); er-Ligatur (z. B. fol. 34v Z. 9: seruo).
Buchstabenformen
Das a hat Doppel-c-Form; g in Form einer 3 ohne Unterlänge (z. B. fol. 35r Z. 4: uestigium); l wird wie ein c-Bogen mit darauf aufsetzendem, langem senkrechten Schaft geschrieben; t hat einen nach links umgebogenen Deckbalken, der an ein c erinnert. Am Wortende werden die Ausläufer des e und des r in einer Bogen- oder Wellenlinie nach rechts oben gezogen.
Gliederungsmerkmale
Fol. 34r-36v: BK 3 c. 2-18 wird mit fortgeführter Kapitelzählung (LXXVII-LXL) an die Lex Salica angehängt; danach folgen Ergänzungskapitel zur Lex Salica und deren Epilog. Die Kapitel werden eingeleitet durch eine rote Kapitelzählung und Rubriken in roter Unziale. Teilweise handelt es sich bei diesen Rubriken um den Anfang des folgenden Kapiteltextes, und manchmal wechselt innerhalb dieser Rubriken die Tintenfarbe von rot zu Texttinte und zugleich von Unziale zu Minuskel (z. B. fol. 35r, Z. 13-14). Die erste Rubrik, die nach der Kapitelzählung LXXVII die Überschrift zum Gesamtkapitular bietet (PACTUS CHILDEBERTI REGIS), ist in gelber Tinte ausgeführt. Die Zwischenüberschrift zur Decretio Chlotharii regis (vor BK 3 c. 9, gezählt als LXXXI) lautet INC(I)P(I)T LIB(ER) III DEINDE. Am Anfang des Kapiteltextes stehen vergrößerte Initialen in Texttinte mit gelber oder roter Füllung. C. 1 fehlt, cc. 2 und 3 werden zusammengefasst zu LXXVII, ebenso cc. 5 und 6 = LXXVIIII und cc. 7 und 8 = LXXX. BK 3 c. 14 ist aufgeteilt: LXXXV = c. 13 + 14 erster Teil, LXXXVI = c. 14 zweiter Teil ab sicut cum episcopis. Auch c. 17 und der Beginn von c. 18 werden zusammengefasst zu LXXXVIIII, während c. 18 zweiter Teil (ab Si quis a iudicibus) als eigenes Kapitel LXL folgt.
