Capitularia - Edition der fränkischen Herrschererlasse

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 532 Helmst.

Beschreibung der Handschrift nach Mordek

Aufbewahrungsort
Wolfenbüttel
Herzog August Bibliothek
Cod. Guelf. 532 Helmst.
Sigle: W5
Digitalisat verfügbar bei HAB

foll. 1-85 und 94-153

Entstehung und Überlieferung
Entstehung:

9. Jh., 1.-2. Viertel (Mordek); Salzburg (Mordek, Bischoff)

Provenienz:

Nach Butzmann vielleicht aus Weißenburg. Über Matthias Flacius Illyricus, der - so von Heinemann - fol. 2r am Rand einige Titel des Inhalts flüchtig eingetragen hat, gelangte die Hs. im 17. Jh. an die Universität Helmstedt.

Äußere Beschreibung
Material: Pergament
Umfang: insg. 1 + 172 (gezählt 2-173) + 1 foll., zahlreiche Hände. Wie schon Merkel korrekt herausarbeitete, läßt sich die Hs. codicologisch und von ihrem ungewöhnlich vielfältigen Inhalt her in drei etwa gleich alte Teile gliedern: (I) 1-85 und 94-153, (II) 86-93, (III) 154-173. Für unser Kapitularienthema sind nur die Teile zwei und drei von Bedeutung.
Zeilen: 36-37
Spalten: 1
Schrift: karolingische Minuskel; die Vorsatzblätter am Anfang (Bücherverzeichnis; Inhaltsübersicht, Capitulatio des ersten Werkes) und Ende des Codex zeigen spätmittelalterliche Schriften
Schreiber: zahlreiche Hände
Ausstattung:

Rubriken und Text in dunkelbrauner und schwarzer Tinte; keine Farben

Einband:

moderner dunkelbrauner Ledereinband

Inhalte
Anmerkung:

Die erste Hälfte von Teil I (bis fol. 85) enthält keine Rechtstexte; erwähnt seien nur der foll. 54r-55v tradierte Brief Karls des Großen an Alkuin (MGH Epp. 4, Nr. 144, S. 228-230, ohne Berücksichtigung der Hs.; siehe auch die Codd. Dresden A 128, foll. 64r-66v und St. Gallen 677, pp. 173-178) und mehrere Werke Isidors von Sevilla (ausführliches Inhaltsverzeichnis im Katalog).

Auch in der zweiten Hälfte von Teil I (94-153) sind Texte meist theologischen Inhalts zusammengetragen, dazu Kanonistisches, u. a. zwei Werke des Eucherius von Lyon (Formulae spiritalis intellegentiae und Instructionum ad Salonium liber secundus, CPL Nrn. 488 und 489), ein Synodalordo (teilweise ed. Merkel, Das Bairische Volksrecht, S. 545 f.; ed. H. Schneider, MGH Ordines de celebrando concilio, S. 591-594), Junilius Africanus, Instituta regularia divinae legis (CPL Nr. 872), irisch-chronologisches Ordinal der sieben Weihegrade (fol. 135v; vgl. Reynolds, Ordinals of Christ, S. 72 Anm. 13), kurze Sentenzen Septem scalę sunt - in bonum und Septem modi redemitur - animae perficitur auf fol. 136r (siehe dazu auch oben Cod. Paris Lat. 2718, fol. 135r), Exzerpt aus der Collectio Hibernensis (fol. 137v) und Alkuins Disputatio de rhetorica et virtutibus, vgl. im einzelnen die Katalogangaben.

    Bibliographie
    Literatur:
    Projektspezifische Referenzen:

    foll. 86-93

    Entstehung und Überlieferung
    Entstehung:

    wohl a. 820; siehe Jahresangabe fol. 86r (820 auch bei Bischoff); Salzburg (Mordek, Bischoff)

    Provenienz:

    Nach Butzmann vielleicht aus Weißenburg. Über Matthias Flacius Illyricus, der - so von Heinemann - fol. 2r am Rand einige Titel des Inhalts flüchtig eingetragen hat, gelangte die Hs. im 17. Jh. an die Universität Helmstedt.

    Äußere Beschreibung
    Material: Pergament
    Umfang: 8 foll. (86-93)
    Maße: 235 × 140 mm
    Schriftraum: 200 × 95 mm
    Lagen: IV, eingelegt in das Doppelblatt 85/94, das sich, wie Teil I generell, mit 36-37 Zeilen pro Seite deutlich von foll. 86-93 abhebt
    Zeilen: 25
    Spalten: 1
    Schrift: karolingische Minuskel
    Ausstattung:

    Rubriken und Text in dunkelbrauner und schwarzer Tinte; keine Farben

    Einband:

    moderner dunkelbrauner Ledereinband

    Inhalte
    Anmerkung:

    Der in Teil I inkorporierte Teil II bietet unter anderem wichtige Texte zur bzw. aus der Reformgesetzgebung Ludwigs des Frommen von 816:

    • 86r
      Kurzannalen von Kaiser Heraclius bis zur Gegenwart; am Schluß: Sunt autem totius summae ab origine mundi usque in praesentem annum DCCCXXum incarnat. domini; das auf der nächsten Zeile folgende ANNI IIII. DCCLXXII zielt wohl auf das einige Zeilen zuvor notierte Et a carlo et carlomanno usque ad carlum fiunt anni IIII.

    • 86v-88v
      Hludowici ad archiepiscopos epistola (a. 816), hier Mandat Ludwigs des Frommen an Erzbischof Arn von Salzburg bezüglich der Aachener Reformbeschlüsse, mit Auslassungen: IN NOMINE DOMINI DEI ET SALUATORIS NOSTRI IESU CHRISTI LUDOVVICVS DIVINA ORDINANTE PROUIDENTIA IMPERATOR AUGUSTUS UENERABILI ARNONI SALZPVRCGENSIS ARCHIEPISCOPO IN DOMINO SALVTEM. Sacrum et memorabile concilium diuino nutu nostroque studio - promptiorem exhibeas. UALE IN DOMINO ET ORA PRO NOBIS (MGH Capit. 1, Nr. 169, S. 338a Z. 30 - S. 340a Z. 1, S. 340a Z. 15-44, S. 341a Z. 40 - S. 342a Z. 47); Rest von fol. 88v frei.

    • Erhalten sind drei weitere Ausfertigungen: Der im Wortlaut ähnliche Brief Ludwigs des Frommen an den – wie Arn – in Aachen fehlenden Erzbischof Sicharius von Bordeaux (Cod. Paris Lat. 1537 [10. Jh.], foll. 1r-3r) sowie die ihrerseits textverwandten Schreiben an die anwesenden Erzbischöfe Magnus von Sens (Cod. Montpellier H 85 [12. Jh.], foll. 1r-2v; wohl der Codex Aquitanicus J. Sirmonds) und - fragmentarisch der erste Teil - Agobard von Lyon (Cod. Den Haag 10 A 10 a [9. Jh., 1. Hälfte: vielleicht a. 816?]), die beiden ersten Überlieferungen jeweils vor der Institutio canonicorum Aquisgranensis; vgl. M. Conrat (Cohn), Hludowici imperatoris epistola ad Agobardum missa, in: NA 37 (1912) S. 771 f. und W. Levison, Handschriften des Museum Meermanno-Westreenianum in Haag, in: NA 38 (1913) S. 508 f.

    • 89r-91r
      I CAP. - XXXVI - Capitulare monasticum I (a. 816): Anno incarnationis domini nostri iesu christi DCCCXVI - conseruari decreuerunt. Ut abbates mox ut (ut über der Zeile nachgetragen) ad monasteria sua remeauerint - quod eis iniungitur operari (CCM 1, S. 457-468, Sigle W; siehe auch Mordek 1995, Anhang I, Nr. 16). Die Codd. Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Extravagantes 227 (17. Jh.), foll. 116r-121r und Paris, Bibliothèque Nationale, Baluze 94 (17. Jh.), foll. 54r-60r bieten Abschriften des vorhergehenden Briefes Ludwigs an Arn von Salzburg und des Capitulare monasticum I aus Cod. Wolfenbüttel Heimst. 532. Das Stück ist sonst nur noch überliefert in den Codd. Berlin Theol. Lat. fol. 355 und Paris Lat. 15670.

    • Darunter von anderer Hand nachgetragen: Serenissimo omnis gloriae perspicuoque domino deique uoluntatis fore longe lateque famoso. Rest der Seite frei.

    • 91v-93r
      (Andere Hand) INCIPIUNT PAUCA DE FIDE CATHOLICA ET DE OFFICIIS ECCLESIASTICIS. Symbolum grece signum uel cognitio - aduocatus imitetur spiritus sanctus: u. a. Exzerpt aus Isidor von Sevilla, Etymologiae, VII, 12, 4-13, vgl. R. E. Reynolds, Canon law collections in early ninth-century Salzburg, in: Proceedings of the Fifth International Congress of Medieval Canon Law Salamanca, hg. von St. Kuttner - K. Pennington (Monumenta iuris canonici, Series C: Subsidia 6, 1980) S. 27.

    • 93v
      (Andere Hand) Unter der Inskription IN CANONE AVRELIANENSI Zusammenstellung nur z. T. gallischer Konzilskanones: Episcopo aut presbitero causa criminalis hoc est homicidium adulterium furtum et maleficium reputatum fuerit - per audientiam damnet. Fehlinskription und erster Kanon der Kompilation dürften sich von der Sammlung der Hs. von Laon herleiten (Codd. Laon 201 und St. Petersburg Q. v. II. 5), die verwandt ist mit der karolingischen, wohl Salzburger Collectio duorum librorum (der Kanon wird später Vorlage für c. 10 des Konzils von Worms [a. 868]), vgl. Fournier, Notices sur trois collections canoniques, S. 164, 183 und Reynolds, Canon law collections in early ninth-century Salzburg, S. 27. Die unmittelbare Vorlage der übrigen Kanones wird wohl gleichfalls im Milieu der eben angesprochenen ungedruckten Sammlungen zu suchen sein (als Urquelle tauchen u. a. auf das Concilium Veneticum [a. 461/491] c. 14, 1. Teil [CCL 148, S. 155] und am Schluß die Statuta ecclesiae antiqua, cc. 33, 38, 58, 61, 48 [CCL 148, S. 172, 176, 174]).

    Bibliographie
    Literatur:
    Projektspezifische Referenzen:

    foll. 154-173

    Entstehung und Überlieferung
    Entstehung:

    9. Jh., 1.-2. Viertel (Mordek); Salzburg (Mordek, Bischoff)

    Provenienz:

    Nach Butzmann vielleicht aus Weißenburg. Über Matthias Flacius Illyricus, der - so von Heinemann - fol. 2r am Rand einige Titel des Inhalts flüchtig eingetragen hat, gelangte die Hs. im 17. Jh. an die Universität Helmstedt.

    Äußere Beschreibung
    Material: Pergament
    Umfang: 20 foll. (154-173)
    Maße: 235 × 150 mm
    Schriftraum: 200 × 110-115 mm
    Lagen:
    VI165 + IV173
    Zeilen: 36-37
    Spalten: 1
    Schrift: karolingische Minuskel
    Ausstattung:

    Rubriken und Text in dunkelbrauner und schwarzer Tinte; keine Farben

    Einband:

    moderner dunkelbrauner Ledereinband

    Inhalte
    Anmerkung:

    Erst den Schluß, Teil III, füllen ganz weltliche Rechtstexte, die Lex Baiuvariorum und Exzerpte aus den bayerischen Kapitularien von Neuching und Dingolfing sowie aus dem Edictus Rothari:

    • 154r-170r
      Lex Baiuvariorum (Klasse A), ohne Kapitelverzeichnis und Rubriken (MGH LL nat. Germ. 5, 2, S. 197-203, 267-473; Sigle H [= A3 in der Edition Merkels]; zur Hs. S. 185); vielfach korrigiert.

    • 170v
      XII - Capitulare seu canones concilii Neuchingensis (a. 771/772), cc. 3, 5 (zweiter Teil ab sacramentum), 8-10: Ut si quis domum tam liber quam seruus alterius effoderit - ubi (über der Zeile nachgetragen) liberi dimissi fuerint (MGH Conc. 2, 1, S. 100 Z. 4-10, 14 f., S. 101 Z. 8-14). Die Zählung schließt unmittelbar an die letzte Bestimmung der Lex Baiuvariorum (XXII, 11) an.

    • XIII - Capitulare seu canones concilii Dingolfingensis (a. 770?), c. 10: Si quis seruum mulier nobilis (korr. aus mulierem nobilem) acciperit - in seruitium sed et libera (MGH Conc. 2, 1, S. 95 Z. 15-18).

    • 170v-173v
      Edictus Rothari, cc. 281-351 und (ab fol. 173r) cc. 43-86 (MGH LL 4, S. 68-81, 20-25; zur Hs. S. XXIII f.).

    Bibliographie
    Literatur:
    Projektspezifische Referenzen:


    Transkription

    Editorische Vorbemerkung zur Transkription

    Transkriptionsvorlage: