Sankt Gallen, Stiftsbibliothek, 675
Beschreibung der Handschrift nach Mordek
Aufbewahrungsort
Sankt GallenStiftsbibliothek
675
Entstehung und Überlieferung
Entstehung:
9. Jh., 1. Hälfte (Mordek, Bischoff); Süddeutschland (wohl Bayern) (Süddt. auch bei Bischoff).
Provenienz:
falls mit jenem Liber canonum identisch, der im Verzeichnis der von Abt Grimald (841-872) mit Hilfe Hartmuts erworbenen Bücher genannt ist (MBK 1, S. 84 Z. 24), spätestens in der zweiten Hälfte des 9. Jh. am Ort. Alte Signatur (p. 3 oben): D. n. 247 (handschriftlicher Katalog P. Kolb).
Äußere Beschreibung
| Material: | Pergament |
|---|---|
| Umfang: | 134 foll. (paginiert 3-270; pp. 1-2 und 271-272 sind Papierblätter) |
| Maße: | 218-220 × 136-140 mm |
| Schriftraum: | 185-190 × 90-105 mm |
| Lagen: |
4 IV66 + (IV-1)80 + 10 IV240 + (IV-1)254 + III266 + 2270.
Kustoden: II (18) bis XI (160), XIII (176) bis
XVIIII (266) (die erste und die zwölfte Lage
fehlen; wohl auch am Ende Blattverlust)
|
| Zeilen: | 24 |
| Spalten: | 1 |
| Schrift: | karolingische Minuskel |
| Ausstattung: |
meist rote Rubriken mit gelben Ausmalungen; Initialen rot oder in dunkelbrauner bis schwarzer Texttinte, oft rot oder gelb ausgemalt |
| Einband: |
Holzdeckel mit braunem Lederrücken; rot umrandetes Rückenschild aus Papier mit der Aufschrift (19. Jh.): Canones diversomm Conciliomm ad certos titulos redacti |
Inhalte
Anmerkung:
Der zur süddeutschen Klasse der Vetus-Gallica-Hss. zählende Sangallensis 675 tradiert das Kapitular von Herstal (a. 779) im Anschluß an einige Zusätze zur systematischen Kanonessammlung (nicht überliefert in den anderen Codices dieser Version: Stuttgart HB VI 113, Paris Lat. 10588, Einsiedeln 205, Wien 2171, Stuttgart HB VI 112 und Montecassino 372). In ähnlichem Ambiente zeigt sich unter anderem die Admonitio generalis (a. 789) des Cod. Brüssel 8654-72, der gleichfalls als Vertreter der süddeutschen Version der Vetus Gallica zu gelten hat. Das könnte darauf hindeuten, daß beide Überlieferungen letztlich auf eine Vorlage zurückgehen, die mit einer alten, vor der Kaiserkrönung Karls des Großen (a. 800) anzusetzenden Kapitulariensammlung ausgestattet war.
Bibliographie
Literatur:
- Pertz G 1824-1825, S. 508
- Wasserschleben 1851, S. VIII, 460 ff.
- Schmitz H 1883, S. 609
- Schmitz H 1898, S. 591, 597 ff.
- J. Zettinger, Das Poenitentiale Cummeani, in: AKKR 82 (1902) S. 524
- H. Brauer, Die Bücherei von St. Gallen und das althochdeutsche Schrifttum (Hermaea 17, Halle [Saale] 1926) S. 28, 30, 37
- Bruckner 1935-1978, Bd. 2, S. 30, 80
- B. Bischoff, Rezension zu Bruckner, in: HJb 57 (1937) S. 695
- McNeill 1938, S. 438, 449
- F. B. Asbach, Das Poenitentiale Remense und der sogen. Excarpsus Cummeani (phil. Diss. Regensburg 1975) S. 33
- Mordek 1975, S. 219 ff., 291 (Literatur) u. ö.
- Kottje 1975, S. 30, 33 f.
- Duft 1990a, S. 54
- Meens 1994, S. 45, 235, 510
Kataloge:
- G. Scherrer, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen (Halle 1875) S. 219 f.
Abbildungen:
Projektspezifische Referenzen:
Transkription
Editorische Vorbemerkung zur Transkription
Transkriptionsvorlage: Die Transkription erfolgte auf Grundlage eines auf e-codices bereitgestellten Farbdigitalisats
Schreiber
Die hier transkribierten Seiten sind von einer Hand in einer frühen, breiten karolingischen Minuskel geschrieben. Gelegentliche Verbesserungen eines Korrektors mit blasserer Tinte.
Buchstabenformen
Intensive Verwendung von cc-a, auch direkt vor oder nach einem c. Reichlicher Gebrauch von ec- und gelegentlich auch von ro-Ligaturen, wobei die ec-Ligatur sehr ähnlich der et-Ligatur gestaltet wird.
Gliederungsmerkmale
P. 165-170 (BK 20a): Der Listenbeginn ist deutlich markiert durch die erste Zeile des Prologs, die nach einer sich über knapp drei Zeilen erstreckenden A-Initiale in roter Tinte ganz in Capitalis rustica gehalten ist (in Texttinte mit roten Unterlegungen). Die Kapitelzählung besteht überwiegend aus der Zahl in Texttinte (oft mit farbigen Akzenten) sowie nachgestelltem CAP in roter Tinte. Das Stück bildet einen geschlossenen Textblock ohne Absatzgliederung, die Kapitelzählungen stehen entsprechend, wie es sich gerade ergibt, in der Zeile. Kapitel 17 ist zweigeteilt (als XVII-XVIII), die Zählung von c. 18-23 dementsprechend als XVIIII-XXIIII.
