{"id":29596,"date":"2021-02-26T11:55:27","date_gmt":"2021-02-26T10:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/?p=29596"},"modified":"2021-03-01T10:03:39","modified_gmt":"2021-03-01T09:03:39","slug":"sammlung-des-monats-maerz-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/en\/blog\/sammlung-des-monats-maerz-2021\/","title":{"rendered":"Collection of the Month March 2021: Cava and Chigi"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die gemeinsame Vorlage der Handschriften Cava und Chigi<\/strong><\/p>\n<p>Die Kapitularien sind fast ausschlie\u00dflich in Sammlungen \u00fcberliefert, die von den Kompilatoren f\u00fcr ihre pers\u00f6nlichen Zwecke und oft aus verschiedenen Vorlagen zusammengestellt wurden. Nur selten haben sich von einer solchen individuellen Sammlung mehrere \u00dcberlieferungszeugen erhalten. Ein prominenter Fall ist diejenige Sammlung, die von den beiden zu Beginn des 11. Jahrhunderts entstandenen Handschriften <a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/cava-dei-tirreni-bdb-4\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Cava de\u2019 Tirreni, Biblioteca Statale del Monumento Nazionale Badia di Cava, 4<\/a> und <a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/vatikan-bav-chigi-f-iv-75\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Chigi F. IV. 75<\/a> tradiert wird. Laut einer Vermutung Donald Bulloughs (Bullough 1970 S. 94 Anm. 1), die von Hubert Mordek aufgegriffen wurde (Mordek 1995 S. 756), soll sie bereits kurz nach 832 in Pavia entstanden sein. Der Terminus post quem st\u00fctzt sich dabei auf das j\u00fcngste in die Sammlung aufgenommene Kapitular, das sogenannte Capitulare Papiense Lothars von 832 (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-201\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 201<\/a>); der vermeintliche Entstehungsort, der K\u00f6nigshof in Pavia, beruht hingegen auf einer nicht zu belegenden Vermutung.<\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferst ungew\u00f6hnlich f\u00fcr Kapitulariensammlungen ist in beiden F\u00e4llen der \u00dcberlieferungskontext. W\u00e4hrend sie \u00fcblicherweise als Bestandteil umfangreicherer Rechtsb\u00fccher zusammen mit anderen Rechtstexten tradiert werden, sind sie hier in historiographisches Material eingebettet: Cava bietet an weiteren Rechtstexten nur die Leges Langobardorum; ansonsten sind Texte zur Geschichte der Langobarden (unter anderem der Origo gentis Langobardorum) und des beneventanischen Raumes enthalten, die auf eine Entstehung der Handschrift im Herzogtum Benevent oder, nach dem Vorschlag Walter Pohls, im Kloster Montecassino hinweisen (Pohl 2001). In der Chigi-Handschrift sind die Kapitularien die einzigen enthaltenen Rechtstexte; sie folgen auf die Chronik des Benedikt von Sant\u2019Andrea und Einhards Vita Karoli Magni; beide sind wegen Blattverlustes in der Handschrift nur fragmentarisch erhalten. Die Karlsvita und die Kapitulariensammlung wurden vom selben Schreiber kopiert, vermutlich im r\u00f6mischen Kloster San Paolo fuori le Mura (Mordek 1995 S. 756 sowie Tischler 2001; m\u00f6glicherweise aber auch in Monte Soratte, Maskarinec 2019 S. 1061). Die in diesem Codex unikal \u00fcberlieferte Chronik des Benedikt von Sant\u2019Andrea wurde von anderer, aber etwa zeitgleicher Hand geschrieben und mit der Karlsvita und dem Kapitularienteil zusammengebunden.<\/p>\n<p><strong>Die Kernsammlung \u2013 Gemeinsamkeiten zwischen Cava und Chigi<\/strong><\/p>\n<p>Bei den in die Sammlung aufgenommenen Texten handelt es sich gr\u00f6\u00dftenteils um f\u00fcr das Regnum Italiae erlassene Kapitularien aus der Zeit Karls des Gro\u00dfen bzw. Pippins von Italien bis zu Kaiser Lothar I. Die Intention, eine chronologisch nach Herrschern geordnete Reihenfolge herzustellen, ist erkennbar; sie wird jedoch nicht strikt verfolgt. So folgen etwa die Kapitularien K\u00f6nig Pippins von Italien (781-810) gr\u00f6\u00dftenteils erst nach denjenigen Ludwigs des Frommen (814-840), und auch in den jeweils einem Herrscher zugeordneten Abschnitten tauchen eingestreute Exzerpte aus Erlassen anderer Herrscher auf.<br \/>\nDer Beginn der Sammlung ist nicht eindeutig zu bestimmen, denn in Cava ist er durch einen Blattverlust (vor fol. 198) verlorengegangen, und in Chigi fehlt eine einleitende \u00dcberschrift. Im Chigianus folgt nach dem Ende der Vita Karoli, die auf fol. 59r endet, auf der Verso-Seite zun\u00e4chst ein Auszug aus der Lex Salica (Karolina emendata, Titel 62, 1-6: <em>De alode<\/em>, Eckhardt K 1962a S. 223) und daran anschlie\u00dfend eine apokryphe Konstitution der Kaiser Theodosius II. und Valentinian III., die in mehreren italienischen Handschriften des 10.\/11. Jahrhunderts im Kontext von Kapitularien \u00fcberliefert ist (von Boretius und Krause ediert unter dem Titel Capitula incerta, Boretius 1897 S. 127f.; siehe dazu Kaiser W 2007, Neuedition ebd. S. 270\u2013272). Es handelt sich dabei um ein Anklageprivileg f\u00fcr Bisch\u00f6fe, Presbyter und Diakone, an das Bu\u00dfbestimmungen f\u00fcr \u00dcbergriffe gegen Bisch\u00f6fe und Kleriker anschlie\u00dfen. Erst danach folgt Karls des Gro\u00dfen Kapitular von Herstal (779), mit dem auch andere italienische Kapitulariensammlungen er\u00f6ffnet werden (z. B. <a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/paris-bn-lat-4613\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Paris lat. 4613<\/a>, <a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/st-paul-abs-4-1\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Sankt Paul im Lavanttal 4\/1<\/a>). Hier ist es allerdings nicht in der originalen Fassung (von Boretius \u201eForma communis\u201c genannt; = <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-020a\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 20a<\/a>) enthalten, sondern in einer Redaktionsfassung, die nur in Italien verbreitet war und daher von Boretius als \u201eForma Langobardica\u201c (= <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-020b\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 20b<\/a>) bezeichnet wurde. Diese Bearbeitung entstand laut Mordek fr\u00fchestens im 9. Jahrhundert (Mordek 2005 S. 7). In Cava setzt der Text erst bei c. 3 der apokryphen Kaiserkonstitution ein, die also auch hier vor dem Kapitular von Herstal stand; ob ihr aber auch der Titel aus der Lex Salica vorausging, wissen wir nicht.<\/p>\n<p>Neben der redigierten Fassung des Kapitulars von Herstal sind weitere Texte in der Sammlung bearbeitet worden. Die Kopie des Doppelkapitulars von Mantua (813; BK 92 und BK 93), das auf das Kapitular von Herstal folgt, wird in den \u00e4lteren Handschriften (<a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/vercelli-bce-clxxiv\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Vercelli, Biblioteca Capitolare Eusebiana, CLXXIV<\/a>; 2. H\u00e4lfte 9. Jh., Oberitalien und Sankt Paul im Lavanttal, Stiftsbibliothek, 4\/1; nach 816, Oberitalien) K\u00f6nig Bernhard von Italien (813-818), dem Sohn und Nachfolger Pippins von Italien, zugeschrieben (Mordek 1995a). In Cava und Chigi erscheint der Erlass hingegen als von Karl dem Gro\u00dfen ausgehend (Rubrik: <em>Placuit nobis Karolo gloriosissimo regis<\/em>; daraus leitete Boretius seine Datierung auf 787 ab; Boretius 1883 S. 194). Es ist noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt, ob es sich dabei um eine Umwidmung handelt, die der Kompilator der Sammlung vornahm, indem er einfach den Namen Karls samt K\u00f6nigstitel aus dem Prolog zum vorangehenden Kapitular von Herstal \u00fcbernahm, oder ob die Zuschreibung an Karl doch die gr\u00f6\u00dfere Authentizit\u00e4t beanspruchen kann, wof\u00fcr Michael Glatthaar zuletzt pl\u00e4diert hat (Glatthaar 2014).<\/p>\n<p>Die Sammlung tradiert zwei Unikate: Das Pippini Italiae regis capitulare (nach Boretius: 782\/787, nach Mordek 2005 S. 32f.: 781\/782; BK 91) und die Capitula de expeditione Corsicana von 825 (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-162\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 162<\/a>), die die Vorbereitung eines Feldzuges nach Korsika betreffen. Die Constitutio Romana von 824 (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-161\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 161<\/a>), das von Lothar ausgehandelte Vertragswerk mit dem Papst, ist au\u00dfer in Cava und Chigi nur noch in einer weiteren Handschrift \u00fcberliefert (<a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/wolfenbuettel-hab-blankenb-130\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Wolfenb\u00fcttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 130 Blank.<\/a>; nach 855, Oberitalien [Pavia?]).<\/p>\n<p>Der Inhalt der Sammlung ist in folgender \u00dcbersicht kurz zusammengestellt; die Einteilung folgt dabei der im Cava-Codex vorgenommenen Gliederung durch den jeweiligen Textbl\u00f6cken vorangestellte Herrscherminiaturen:<\/p>\n<p><em>Kapitularienteil Karls des Gro\u00dfen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/post840\/bk-nr-232\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 232<\/a> (apokr. Kaiserkonstitution, Anfang fehlt in Cava wegen Blattverlustes);<\/li>\n<li>BK 20b (Kapitular von Herstal [779] in der Forma Langobardica, fr\u00fchestens Mitte 9. Jh.)<\/li>\n<li>BK 92 und 93 (Doppelkapitular von Mantua, 813)<\/li>\n<li>Kapitularien von Karl und Pippin von 801 \u2013 ca. 810, \u00fcberwiegend in Ausz\u00fcgen (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-039\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 39<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-040\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 40<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-044\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 44<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-061\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 61<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-090\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 90<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-095\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 95<\/a> [nur in Cava; in Chigi im Teil Pippins], <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-098\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 98<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-099\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 99<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-102\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 102<\/a>); nicht in chronologischer Reihung und unterbrochen von j\u00fcngeren Einsprengseln (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-135\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 135<\/a> c. 3, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-141\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 141<\/a> c. 25, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-140\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 140<\/a> c. 3; 816-819)<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Kapitularienteil Ludwigs des Frommen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-134\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 134<\/a> und <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-135\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 135<\/a> (Capitula legi addita und Item capitula legi addita, 816-819)<\/li>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-088\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 88<\/a> (Notitia Italica Karls des Gro\u00dfen, 776 oder 781?)<\/li>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-104\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 104<\/a> c. 7 und 8 (Capitula Francica aus der Zeit Karls des Gro\u00dfen)<\/li>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-139\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 139<\/a> und <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-140\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 140<\/a> (Capitula legibus addenda und Capitula per se scribenda, 818\/819)<\/li>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/pre814\/bk-nr-067\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 67<\/a> c. 1-3 (Capitula per missos cognita facienda, 805-813)<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Kapitularienteil Pippins von Italien:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>BK 91 (Pippini Italiae regis capitulare, 782-787)<\/li>\n<li>BK 94 (Pippini Italie regis capitulare Papiense, 787)<\/li>\n<li>Nur in Chigi: BK 95 (Pippini capitulare oder Karoli Magni capitulare Italicum, 787)<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Kapitularienteil Lothars:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-158\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 158<\/a> (Memoria Olonnae comitibus data, 823)<\/li>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-159\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 159<\/a> (Concessio generalis, 823)<\/li>\n<li>BK 162 (Capitula de expeditione Corsicana, 823)<\/li>\n<li><a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-163\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 163<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-164\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 164<\/a>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-165\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">BK 165<\/a> (mit eingeschobenem BK 158 c. 16)<\/li>\n<li>BK 161 (Constitutio Romana, 824; ab c. 9 fehlt Text wegen Blattverlustes in Cava)<\/li>\n<li>Nur in Chigi: BK 93 (Mantua 813) c. 7, BK 201 (Capitulare Papiense, 832) mit Zusatzkapiteln (in Cava wegen des Blattverlustes wahrscheinlich verloren); danach weitere Texte aus einer anderen Quelle, beginnend mit Herstal in der Forma communis)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Schwerpunkt der Sammlung liegt eindeutig auf der Gesetzgebung f\u00fcr das Regnum Italiae, doch vollst\u00e4ndig ist diese nicht; so fehlt beispielsweise das Capitulare Olonnense von 823 (BK 157), und auch die Memoria Olonnae comitibus data (BK 158) aus demselben Jahr ist nur in Ausz\u00fcgen vertreten (die fehlenden Kapitel wurden in Chigi auf fol. 109r-v aus anderer Quelle erg\u00e4nzt). Das nur hier \u00fcberlieferte Korsika-Kapitular sowie die Constitutio Romana, die das Verh\u00e4ltnis von fr\u00e4nkischem K\u00f6nigtum und den Herrschaftsrechten des Papstes im Patrimonium Petri regelte, waren besonders f\u00fcr Mittelitalien und Rom interessant. Ein spezifisch kirchliches oder weltliches Interesse ist hingegen auf den ersten Blick nicht auszumachen: Zwar richteten sich sowohl die Memoria Olonnae comitibus data (BK 158) als auch das Korsika-Kapitular (BK 162) an Grafen, und in Ludwigs Aachener Gesetzgebungspaket von 818\/819 fehlt das Capitulare ecclesiasticum (BK 138). Andererseits sind beide Olonnenser Kirchenkapitularien Lothars von 825 vertreten (BK 163, 164), und auch die Verf\u00fcgungen der apokryphen Kaiserkonstitution (BK 232) betrafen nur Kleriker. Eine genauere Analyse der in die Sammlung aufgenommenen Texte und der damit verbundenen Intentionen des Kompilators bleibt die Aufgabe zuk\u00fcnftiger Forschung.<\/p>\n<p><strong>Abweichungen zwischen Cava und Chigi<\/strong><\/p>\n<p>Die oben beschriebene Kernsammlung wurde im Laufe ihrer \u00dcberlieferung unterschiedlich ausgebaut, wie die beiden noch erhaltenen Handschriften zeigen, die offenbar auf unterschiedliche Vorlagen zur\u00fcckgehen. In der Chigi-Handschrift werden gro\u00dfe Abschnitte mit einer durchlaufenden Kapitelz\u00e4hlung versehen, wobei mehrfach mehrere Kapitularien in einer Liste zusammengefasst werden. Der Beginn eines neuen Kapitulars bleibt aber in der Regel durch eine Zwischen\u00fcberschrift erkennbar.<br \/>\nDer Cava-Codex hat hingegen keinerlei Kapitelz\u00e4hlung und verzichtet weitgehend auf Rubriken; die Gliederung erfolgt hier durch farbige Schmuckinitialen und Herrscherminiaturen, die in der Regel am Anfang des Kapitularienteils eines Herrschers platziert wurden. Auch der den Kapitularien vorangehende Teil mit den Leges Langobardorum ist mit Herrscherminiaturen ausgestattet (Gontrum 1993; Zanichelli 2010). Dass die Herrscherminiaturen den Abschnitt mit den vom jeweiligen Herrscher erlassenen Gesetzen er\u00f6ffnen sollen, wird zumindest beim Kapitularienteil Ludwigs auch im Text deutlich: Zu Beginn (fol. 220v) steht die Rubrik <em>Cap. domni Loduicus imperator<\/em> und am Ende <em>Expl. Cap. Lodoyci rex<\/em> (fol. 231v), vor der einleitenden Rubrik des Pippini Italiae regis capitulare (BK 91) mit einer Miniatur Pippins. Allerdings sind Lothar gleich zwei Darstellungen gewidmet, deren zweite mitten in dem ihm zugeordneten Kapitularienteil steht (fol. 241r, vor BK 162).<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/COM_2021-03_Cava_fol.220v.png\" alt=\"\" width=\"273\" height=\"449\" \/><\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"font-size: x-small\">Abb.: Cava de\u2019 Tirreni, Biblioteca Statale del Monumento Nazionale Badia di Cava, 4, fol. 220v: Ludwig der Fromme als Gesetzgeber, Miniatur vor BK 134. (\u00a9 Biblioteca Statale del Monumento Nazionale Badia di Cava)<\/span><\/p>\n<p>Der Chigianus bietet an mehreren Stellen Rubriken, die sich im Cavensis nicht finden (z.B. bei BK 140, 67, 94), und die Details zu den Entstehungsumst\u00e4nden der jeweiligen Texte enthalten, die \u00e4u\u00dferst wertvolle Informationen f\u00fcr deren Einordnung liefern k\u00f6nnen. So suggeriert z.B. die Rubrik zu einem Kapitular Pippins von 787 (BK 94) mit dem Wortlaut <em>In nomine domini incip. kap. de diversas iustititas secundum sceda domni Caroli genitoris nostri<\/em> ein anderes Bild vom Gesetzgebungsprozess als die in fast der H\u00e4lfte aller tradierenden Handschriften \u00fcberlieferte Rubrik <em>Incipit capitulare quem Pippinus rex instituit cum suis iudicibus in Papia<\/em> (vgl. Boretius 1897 S. 198 Z. 12f.). Die Entscheidung von Boretius, dem Editionstext die unikale Rubrik aus der Chigi-Handschrift voranzustellen, d\u00fcrfte die Wahrnehmung des Textes in der Forschung entscheidend gepr\u00e4gt haben.<br \/>\nBesonders interessant sind einige der ebenfalls nur im Chigianus enthaltenen Rubriken mit Datierungen (bei BK 158, 162, 163) bzw. nachgestellte Datierungszeilen (bei BK 164 und 201), die im Kapitularienteil Lothars erscheinen. Immerhin entsprechen sie den zeitgen\u00f6ssischen Datierungsgepflogenheiten, etwa in der Verwendung der sogenannten \u201aVulg\u00e4repoche\u2018, einem Datierungsstil, der in italienischen Privaturkunden weit verbreitet war und als Epochenjahr Lothars 820 ansetzt (M\u00fchlbacher 1877). Deshalb ist auszuschlie\u00dfen, dass sie erst bei der Abschrift um das Jahr 1000 hinzugef\u00fcgt wurden.<\/p>\n<p>Die Unterschiede zwischen den beiden \u00dcberlieferungen beschr\u00e4nken sich jedoch nicht auf die Gliederungsstruktur oder das Vorhandensein bzw. Fehlen von Rubriken. So hat Cava BK 95 (Karoli Magni capitulare Italicum von 787?) im Kapitularienteil Karls einsortiert, Chigi hingegen bei Pippin (siehe oben in der \u00dcbersicht). Am Beginn des Kapitularienteils Ludwigs des Frommen hat der Cavensis offenbar zwei Kapitel ausgelassen: Im Vergleich mit dem Chigianus fehlen hier BK 134 c. 1 und BK 135 c. 3. Letzteres, das die Ladung vor Gericht betrifft, steht in der Sammlung allerdings auch im Kapitularienteil Karls des Gro\u00dfen und ist in Chigi somit doppelt vorhanden. Es ist also gut vorstellbar, dass der Schreiber des Cavensis (oder von dessen Vorlage) BK 135 c. 3 weggelassen hat, um eine Doppelung zu vermeiden. Dieser Erkl\u00e4rungsansatz greift jedoch nicht bei BK 134 c. 1, das die Vorgehensweise bei widerspr\u00fcchlichen Zeugenaussagen regelt. Zwar ist unter den Kapitularien Ludwigs des Frommen auch BK 139 in der Sammlung vertreten, dessen c. 10 sich weitgehend mit BK 134 c. 1 deckt; allerdings fehlt auch BK 139 c. 10 in Cava \u2013 w\u00e4hrend es in Chigi vorhanden ist. Au\u00dferdem wurde in der Cava-Handschrift ein eigenartiger Text zwischen die Einleitung und den Text des Capitulare Italicum Karls des Gro\u00dfen von 801 (BK 98) eingeschoben, der sich ansonsten nur noch fragmentarisch in einer anderen italienischen Handschrift erhalten hat (<a title=\"zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/paris-bn-lat-4613\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener noreferrer\">Paris lat. 4613<\/a>; 10. Jh., Italien). Es handelt sich um eine predigtartige Ansprache, die in einem nicht n\u00e4her zu bestimmenden Zusammenhang zu den Kapitularien Karls des Gro\u00dfen steht und von Thomas Martin Buck auf etwa 802 datiert wird (BK 121, dazu Buck 1997).<\/p>\n<p>Das vermutlich letzte St\u00fcck der Sammlung, Lothars Kapitular von 832 (BK 201), ist zwar nur in der Chigi-Handschrift erhalten, aber es ist anzunehmen, dass es in Cava wegen des Blattverlustes nach fol. 248 verlorenging. Die danach folgenden Erg\u00e4nzungen der Sammlung im Chigianus sind jedenfalls aus einer mit der Handschrift Sankt Paul im Lavanttal 4\/1 verwandten Vorlage \u00fcbernommen worden, welche BK 201 nicht tradiert; \u00fcberdies sind die Erg\u00e4nzungen chronologisch geordnet (beginnend mit dem Kapitular von Herstal in der Forma communis), so dass es unwahrscheinlich ist, dass Lothars Kapitular von 832 am Anfang dieser Erg\u00e4nzungen stand. Es d\u00fcrfte also tats\u00e4chlich das Ende der urspr\u00fcnglichen Sammlung dargestellt haben.<\/p>\n<p>Obwohl Cava insgesamt einen schlechten und teilweise sinnentstellenden Text bietet, hat die Handschrift doch an einigen Stellen einen besseren Text als der Chigianus (z. B. fehlt in Chigi der Schluss von BK 164 c. 7 wegen eines Augensprungs); zudem wurde der Text in der Chigi-Handschrift teilweise merklich redigiert (z.B. in BK 201 c. 13: <em>quantum res exposcit<\/em>] <em>quantum res adsimilari possit<\/em> Chigi). Boretius hat der Chigi-Handschrift jedoch vertraut \u2013 vermutlich wegen ihres guten Lateins \u2013 und sie bevorzugt f\u00fcr seine Editionen verwendet, mit den bereits angedeuteten Folgen f\u00fcr die Wahrnehmung der Texte in der Forschung.<\/p>\n<p>Eine abschlie\u00dfende Bewertung der von den beiden Handschriften repr\u00e4sentierten Sammlung steht noch aus; sie kann vern\u00fcnftigerweise erst vorgenommen werden, wenn auch die neue Edition der Kapitularien Karls und Pippins weiter vorangeschritten ist. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass die Hypothese von einer \u201ebald nach 832 in Pavia entstandenen Sammlung\u201c einen irref\u00fchrenden Eindruck von der Vertrauensw\u00fcrdigkeit ihres Inhalts erweckt \u2013 der Weg der Sammlung von 832, dem Ausstellungsjahr des Capitulare Papiense und Terminus post quem f\u00fcr ihre Anlage, bis ins 11. Jahrhundert, aus dem ihre beiden einzigen erhaltenen \u00dcberlieferungszeugen stammen, d\u00fcrfte alles andere als geradlinig verlaufen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>B. Mischke<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/cava-dei-tirreni-bdb-4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zur Handschriftenseite der Cava-Handschrift<\/a> (Beschreibung nach Mordek und Transkription)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/vatikan-bav-chigi-f-iv-75\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zur Handschriftenseite der Chigi-Handschrift<\/a> (Beschreibung nach Mordek und Transkription)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#M\u00fchlbacher_1877\">M\u00fchlbacher 1877<\/a>, S. 468-470<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Boretius_1883\">Boretius 1883<\/a><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Boretius_1897\">Boretius 1897<\/a><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Eckhardt_K_1962a\">Eckhardt K 1962a<\/a><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Bullough_1970\">Bullough 1970<\/a><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Gontrum_1993\">Gontrum 1993<\/a>, S. 148-158<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Mordek_1995\">Mordek 1995<\/a>, S. 98-111, 756-768<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Mordek_1995a\">Mordek 1995a<\/a>, S. 1012\u20131017<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Buck_1997\">Buck 1997<\/a>, S. 157-238<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Pohl_2001\">Pohl 2001<\/a>, S. 130\u2013136, 150<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Tischler_2001\">Tischler 2001<\/a>, S. 469-473<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Mordek_2005\">Mordek 2005<\/a><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Kaiser_W_2007\">Kaiser W 2007<\/a>, S. 255-272<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Zanichelli_2010\">Zanichelli 2010<\/a><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Glatthaar_2014\">Glatthaar 2014<\/a>, S. 28-41<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Maskarinec_2019\">Maskarinec 2019<\/a><\/p>\n       <div class=\"cite_as\">\n         <h5>How to cite<\/h5>\n         <div>\n           <span class=\"author\">Britta Mischke<\/author>,\n           <span class=\"title\">Collection of the Month March 2021: Cava and Chigi<\/title>,\n           in: Capitularia. Edition of the Frankish Capitularies, ed. by\n           Karl Ubl and collaborators, Cologne 2014 ff.\n           \n           URL: https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/en\/blog\/sammlung-des-monats-maerz-2021\/ (accessed on 04\/15\/2026)\n         <\/div>\n       <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gemeinsame Vorlage der Handschriften Cava und Chigi Die Kapitularien sind fast ausschlie\u00dflich in Sammlungen \u00fcberliefert, die von den Kompilatoren f\u00fcr ihre pers\u00f6nlichen Zwecke und oft aus verschiedenen Vorlagen zusammengestellt wurden. Nur selten haben sich von einer solchen individuellen Sammlung mehrere \u00dcberlieferungszeugen erhalten. 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