{"id":29443,"date":"2020-12-18T17:59:42","date_gmt":"2020-12-18T16:59:42","guid":{"rendered":"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/?p=29443"},"modified":"2024-11-12T11:20:29","modified_gmt":"2024-11-12T10:20:29","slug":"der-cap-cake-ein-konditorischer-kapitularienfund-zum-jahresabschluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/en\/blog\/der-cap-cake-ein-konditorischer-kapitularienfund-zum-jahresabschluss\/","title":{"rendered":"Der Cap-Cake &#8211; ein konditorischer Kapitularien&#8221;fund&#8221; zum Jahresabschluss"},"content":{"rendered":"<p>An einem nieselverhangenen Wochenende zum Feste des heiligen Nikolaus im Jahre 2020 wurde in einer Bonner Archivk\u00fcche (das Archiv m\u00f6chte aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht namentlich genannt werden) im hinteren Teil eines staubigen Schrankes mit Backutensilien ein sensationeller Fund gemacht: der Cap-Cake.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Kuchen_fertig.jpg\" alt=\"\" width=\"511\" height=\"405\" \/><\/div>\n<p>Alles begann mit der Idee, einen Kuchen in Form der hochmittelalterlichen Reichskrone f\u00fcr die allj\u00e4hrliche Weihnachtsfeier der Abteilung Mittelalter des Historischen Instituts zu backen. Nachdem jedoch bereits relativ fr\u00fch abzusehen war, dass eine solche Feier in so gro\u00dfem Rahmen dieses Jahr nicht stattfinden w\u00fcrde, kam der Gedanke auf, stattdessen einen Kuchen f\u00fcr den kleineren Kreis des Capitularia-Projektes zu backen, der eine dementsprechend thematisch passendere Form erhalten sollte \u2013 n\u00e4mlich jene einer mittelalterlichen Kapitularienhandschrift.<\/p>\n<p>Hierf\u00fcr machten wir uns in den Blogbeitr\u00e4gen zur &#8220;Handschrift des Monats&#8221; auf die Suche nach geeigneter Inspiration. Und so fanden wir einen der wenigen Prachtcodices, welcher auch Kapitularien enth\u00e4lt: <a href=\"https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/newhaven-bl-413\/\">MS New Haven 413<\/a>. Wir w\u00e4hlten fol. 166r, welches eine besonders sch\u00f6n illuminierte Rubrik besitzt, als Vorlage f\u00fcr unseren Capitularia-Kuchen (kurz: Cap-Cake).<\/p>\n<p>Ende November startete das Projekt Cap-Cake: Wir deckten uns mit allerlei Backzubeh\u00f6r (darunter einem Jahresvorrat an pergamentfarbenem Fondant) ein, befragten unsere Kollegen und Kolleginnen unter dem Vorwand &#8220;hintergedankenfreier Grundlagenforschung&#8221; nach m\u00f6glichen Nussallergien und begannen mit den ersten Entw\u00fcrfen f\u00fcr den &#8220;Codex&#8221;. Am Nikolaus-Wochenende kam es schlie\u00dflich zur Realisierung des Vorhabens und wir arbeiteten zwei Tage lang an dem Manuskript der etwas anderen Art. Wir stellten ein Kilo R\u00fchrteig her und f\u00fcllten die Form anschlie\u00dfend mit einer Nussecken-\u00e4hnlichen Mischung aus karamellisierten N\u00fcssen und Aprikosenmarmelade auf.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Kuchen_ohne_Fondant.jpg\" alt=\"\" width=\"509\" height=\"382\" \/><\/div>\n<p>Nach zweifachem Backen wurde der Kuchen rundherum mit Schokolade bestrichen und durfte \u00fcber Nacht ruhen. Am n\u00e4chsten Tag pr\u00e4parierten wir das &#8220;Pergament&#8221; in Form von Fondant, um die Seiten des Codex realistisch zu imitieren.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Kuchen_mit_Fondant.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"413\" \/><\/div>\n<p>Auch Seitenmarkierungen aus rotem &#8220;Leder&#8221; wurden an den R\u00e4ndern angebracht.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Lesezeichen_bemalen.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"446\" \/><\/div>\n<p>Nun kam unsere Vorlage MS 413 zum Einsatz: Wir lernten den Vorteil der Blindlinierung kennen, als wir uns daran begaben, die mehrfarbigen Ornamente sowie den Text mit Lebensmittelfarbe detailreich zu kopieren.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Nur_Rubrik_Blindlinierung.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"414\" \/><\/div>\n<p>Eine aus wei\u00dfem Fondant gefertigte Schreibfeder platzierten wir auf der recto-Seite des aufgeschlagenen Buches.<\/p>\n<p>Da wir unseren Kollegen aufgrund der derzeitigen Situation das Werk nicht pers\u00f6nlich im Rahmen einer Weihnachtsfeier vorstellen konnten, mussten wir uns etwas einfallen lassen, was auch auf Distanz allen eine freudige \u00dcberraschung bereiten w\u00fcrde. Darum verfassten wir ein kleines Extrablatt der gerade von uns eigens zu diesem Zwecke ins Leben gerufenen <em>Medi\u00e4vistischen Rundschau<\/em>, in dem wir den Sensationsfund einer bisher unbekannten Kapitularienhandschrift ank\u00fcndigten. Dieses Extrablatt schickten wir per E-Mail an alle Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n<p><strong>Das Extrablatt der Medi\u00e4vistischen Rundschau vom 8.12.2020 kann <a href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Extrablatt_Mediaevistische_Rundschau_VI_Iden_Dezember_2020_ind_13.pdf\">hier<\/a> gelesen werden.<\/strong><\/p>\n<p>Der Kuchen selbst wurde daraufhin in den B\u00fcror\u00e4umen des Projekts abgestellt, und dem leiblichen Wohl unserer Kolleginnen und Kollegen zum Besten gegeben, die sich bei Anwesenheit im B\u00fcro jeweils selbst bedienen konnten.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Anschnitt.jpg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"329\" \/><\/div>\n<p>Da die Handschrift also bald nach Ver\u00f6ffentlichung quasi unter starkem &#8220;B\u00fccherwurm&#8221;-Befall litt, schrumpfte sie nach und nach, bis nichts mehr von ihr \u00fcbrig war. So bleiben nur die Fotos als Zeugen ihrer Existenz. Eine genaue Katalogaufnahme wird au\u00dferdem in diesem Blogpost der wissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft f\u00fcr die Zukunft zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/p>\n<p>Trotz der Kurzlebigkeit der Handschrift und der etwas anderen Umst\u00e4nde in diesem Jahr, hoffen wir, allen Capitularianern und Capitularianerinnen hiermit dennoch eine Freude zum Jahresende gemacht zu haben! Uns war es in jedem Fall eine Ehre und eine gro\u00dfe Freude, auf diesem Wege doch etwas Kulinarisches zur Weihnachtszeit beitragen zu k\u00f6nnen!<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/Cap-Cake_2020\/Kuchenst\u00fcck1.jpg\" alt=\"\" width=\"457\" height=\"343\" \/><\/div>\n<h3>Katalogaufnahme zu MS CC 2020<\/h3>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th class=\"value\">Material:<\/th>\n<td class=\"text\">Obermaterial: Fondant; F\u00fcllung: Mehl, Butter, Zucker, Milch, Backpulver, Schokost\u00fcckchen, Waln\u00fcsse, Haseln\u00fcsse, Mandeln, Aprikosenmarmelade<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Umfang:<\/th>\n<td class=\"text\">unbekannt (wo erkennbar nicht paginiert\/foliiert)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Ma\u00dfe:<\/th>\n<td class=\"text\">ca. 288 x 191,5 x 100 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Schriftraum:<\/th>\n<td class=\"text\">ca. 238 x 151,5 mm<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Lagen:<\/th>\n<td class=\"text\">Leider konnten die Lagen nicht genauer bestimmt werden, da sich der Codex aus bisher ungekl\u00e4rter Ursache nur an einer Stelle \u00f6ffnen lie\u00df, n\u00e4mlich jener, wo die Feder zwischen den Seiten konserviert war.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Zustand:<\/th>\n<td class=\"text\">Nicht l\u00e4nger auffindbar aufgrund von massivem &#8220;B\u00fccherwurm&#8221;-Befall<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Spalten:<\/th>\n<td class=\"text\">1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Schrift:<\/th>\n<td class=\"text\">karolingische Minuskel<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Schreiber:<\/th>\n<td class=\"text\">zwei Haupth\u00e4nde (Rubrik und Text)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Ausstattung:<\/th>\n<td class=\"text\">rote Rubriken in Capitalis Rustica, dem Reimser Stil zur Zeit Hinkmars \u00e4hnelnde Initialen in Rot, Gr\u00fcn und in brauner Texttinte, mit Flecht- und Blattornamentik<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Einband:<\/th>\n<td class=\"text\">Zartbitter- und Milchschokolade im Verh\u00e4ltnis 4:3 (21. Jahrhundert)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th class=\"value\">Inhalte:<\/th>\n<td class=\"text\">Die Seite, die ge\u00f6ffnet werden konnte, zeigte eine unvollst\u00e4ndige Abschrift des <a href=\"https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/post840\/bk-nr-273\/\">Edictum Pistense<\/a> Karls des Kahlen von 864.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Alina Ostrowski, <\/em><em>Amelie Paulsen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem nieselverhangenen Wochenende zum Feste des heiligen Nikolaus im Jahre 2020 wurde in einer Bonner Archivk\u00fcche (das Archiv m\u00f6chte aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht namentlich genannt werden) im hinteren Teil eines staubigen Schrankes mit Backutensilien ein sensationeller Fund gemacht: der Cap-Cake. 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