{"id":17837,"date":"2017-11-01T09:37:08","date_gmt":"2017-11-01T08:37:08","guid":{"rendered":"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/?p=17837"},"modified":"2023-09-01T10:48:04","modified_gmt":"2023-09-01T08:48:04","slug":"handschrift-des-monats-november-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/en\/blog\/handschrift-des-monats-november-2017\/","title":{"rendered":"Manuscript of the Month November 2017: Paris, BnF, Lat. 3877"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Isaak von Langres und Pseudoisidor<\/strong><\/h4>\n<p>Der Kodex <a title=\"Zur Handschriftenseite\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/paris-bn-lat-3877\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener\">Paris, BnF, lat. 3877<\/a> scheint f\u00fcr einen Zeitraum von \u00fcber hundert Jahren eine gern genutzte Gebrauchshandschrift gewesen zu sein. Heute besteht der Kodex aus 94 Folia, doch tragen diese Seiten nicht nur zahlreiche Nachtr\u00e4ge von verschiedenen H\u00e4nden, einige Bl\u00e4tter und Lagen sind auch sp\u00e4ter erst zus\u00e4tzlich eingebunden worden. Der j\u00fcngste Nachtrag ist das <em>Capitulare Ticinense<\/em> Ottos III. vom 20. September 998, das auf dem Seitenrand von fol. 70v seinen Platz gefunden hat (ed. MGH Conc. 6, 2 Nr. 58 S. 562\u2013564). Hingegen wird die Anlage der Kernhandschrift fr\u00fchestens auf das dritte Drittel des 9. Jahrhunderts (Bischoff 2014 S. 92f. Nr. 4292), oder wahrscheinlicher auf das vierte Viertel desselben Jahrhunderts bis vielleicht auf den Beginn des 10. datiert (vgl. Mordek 1995; Pokorny 1995). Im 10. Jahrhundert geh\u00f6rte der Kodex dem Kloster St. Germain in Auxerre an, wie der Besitzvermerk auf fol. 5r bekannt macht: <em>HIC EST LIBER SANCTI GERMANI AUTISSIODORE<\/em>[NSIS]. Die Schriftheimat verortete Bischoff pauschal in Frankreich.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/MOM_2017.11_P3877_fol_5r.PNG\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"203\" \/><\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"font-size: x-small\">Abb. Paris, BnF, Lat. 3877, <a title=\"zum Digitalisat\" href=\"http:\/\/gallica.bnf.fr\/ark:\/12148\/btv1b10542078f\/f17.item.r=3877\" target=\"blank_\" rel=\"noopener\">fol. 5r<\/a> (\u00a9 Gallica)<\/span><\/p>\n<p>Den Nukleus der Sammlung bilden die Capitula des Bischofs Isaak von Langres (* um 820, \u2020 18. Juli 880), die zugleich den gr\u00f6\u00dften Raum des Pergaments einnehmen: 5r\u2013v Praefatio, 6v\u201312v Capitulatio, 15v\u201358v die Capitula. Isaak sah sich nach eigener Aussage zu seinem Werk veranlasst, weil wohl einige (rebellische Kleriker?) zwitscherten, alles, was er sage, sei nur von ihm <em>ficta et \u0119xcogitata \u2026 et inventa<\/em> (Praefatio, ed. Pokorny 1995 S. 80 Z. 10). Aus diesem Grund habe er nun die Capitula zusammengetragen, um seine Widersacher mit <em>apostolica pariter ac regali auctoritate<\/em> zum Schweigen zu bringen (ebd. Z. 19f.). Tats\u00e4chlich zitierte der Bischof von Langres aber ausschlie\u00dflich Bestimmungen aus den F\u00e4lschungen des Benedictus Levita. Jedoch hat er kurioserweise seine Quelle eher verschleiert als offengelegt: Er behauptete, die Capitula entstammten zwei Konzilen, die der heilige Bonifatius stellvertretend f\u00fcr Papst Zacharias zusammen mit dem Hausmeier Karlmann im Jahr 742 in Mainz abgehalten habe. Diese Information entnahm Isaak allerdings dem Vorwort der gef\u00e4lschten Kapitulariensammlung (vgl. Pokorny 1995, S. 180 Anm. 1; Mordek 1980 S. 208f.; Schmitz G 2008 S. 1), was ihm schlie\u00dflich den Ruf eines \u201eunkritische[n] Pseudoisidor-Rezipient[en]\u201c einbrachte (vgl. Pokorny 1995 S. 163).<\/p>\n<p>Neben unserem Liber laureatus ist Isaaks Sammlung vollst\u00e4ndig noch in vier weiteren Kodizes des ausgehenden 9. oder des 10. Jahrhunderts \u00fcberliefert; des Weiteren hat sich auch ein Fragment erhalten; in vier Handschriften finden sich Ausz\u00fcge aus Isaaks Werk und schlie\u00dflich existiert noch eine sp\u00e4te Rezeption des 12. Jahrhunderts. Die alten Vollsammlungen mit bereits breiter geographischer Streuung lassen sich auf zwei Textklassen aufteilen, von denen unsere Handschrift des Monats November 2017 nicht nur die beste und \u00e4lteste der Klasse Ia darstellt, sondern auch zur Leithandschrift der kritischen Edition ernannt wurde, w\u00e4hrend die Spitzenposition der Klasse Ib der Parisinus lat. 2449 (Ende 9. Jh., Lyon) einnimmt. Beide Kodizes enthalten Randglossen, die als Arbeitsnotizen Isaaks angesehen werden. Nach der Meinung von Gerhard Schmitz \u00fcberstehen solche \u201ewertlosen\u201c Glossen aber \u201enicht beliebig viele Kopiervorg\u00e4nge\u201c, daher sollte ein Vergleich dieser beiden Handschriften sehr nah an das Arbeitsexemplar des Autoren heranreichen. Sie geben \u201ealso recht pr\u00e4zise Ausk\u00fcnfte \u00fcber Textgestalt und -qualit\u00e4t\u201c des Archetypen (Schmitz G 2008 S. 6).<\/p>\n<p>Was aber f\u00fcr das Alter und die G\u00fcte des (Haupt-)Textes spricht, kann nun auch f\u00fcr die Kontexte der Sammlung angenommen werden. In einem engen Zusammenhang zum Isaak\u2019schen Opusculum stehen einige Exzerptreihen, gesch\u00f6pft aus den pseudoisidorischen Dekretalen und anderem, haupts\u00e4chlich kirchlichem Recht. Die Textklasse Ia \u00fcberliefert diese Ausz\u00fcge (mit je leichten Variationen) in einer einfachen Version, die Klasse Ib in einer erweiterten. Dagegen verhalten sich die Capitulationes zu Isaaks Capitula in beiden Handschriftenklassen diametral: Die Klasse Ia mit der einfachen Version der Exzerptreihen enth\u00e4lt eine erweiterte Capitulatio, Klasse Ib mit den erweiterten Exzerpten eine einfache, d.h. sie enth\u00e4lt nur die Rubriken aus den Isaak\u2019schen Benedict-Kapiteln. Die erweiterte Capitulatio aus Ia enth\u00e4lt aber nicht die Inskriptionen zu allen folgenden Exzerptreihen, sondern nur zu zwei ausgew\u00e4hlten Titeln (mit insg. 17 Inskriptionen, s.u.).<\/p>\n<p>Paul Fournier (1899 S. 357\u2013373) hat die erweiterte Fassung der Exzerptreihen nach dem Kompagnon unseres Kodex, nach der Handschrift Paris, lat. 2449 ausf\u00fchrlich analysiert. In unserem Latinus 3877 finden sich parallel zum 2449er folgende Exzerptreihen, die folglich auch schon der gemeinsamen Urvorlage aller Isaakhandschriften angeh\u00f6rt haben, vielleicht also auch schon Isaaks Arbeitsexemplar:<\/p>\n<table style=\"font-size: small\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">58v\u201366v<\/td>\n<td>(I) Zw\u00f6lf Exzerpte aus den pseudoisidorischen Dekretalen mit der Rubrik <em>De iniuria videlicet et honore episcoporum<\/em> (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Bei Fournier Nr. II. Rezeption teilweise in Trosly a. 909, vgl. Schmitz G 1977 Trosly S. 363f.).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">66v\u201368r<\/td>\n<td>(II) Sechs Kanones zum Thema Klosterwesen ohne Rubrik (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Bei Fournier Nr. V. Bei Mordek 1975 S. 175\u2013158: Sammlung in 22 Kapiteln, 1. Teil).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">68r\u201369v<\/td>\n<td>(III) Dreizehn Kapitel mit der Rubrik <em>De Iudaeis<\/em> (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Bei Fournier Nr. VI. Bei Mordek 1975 S. 175\u2013158: Sammlung in 22 Kapiteln, 2. Teil).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">70r\u201371v<\/td>\n<td>(IV) Vier Kapitel zum Thema <em>De rebus ecclesiae<\/em> (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Bei Fournier Nr. VIII. Dieser Teil auch in der erweiterten Capitulatio).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">71v\u201379r<\/td>\n<td>(V) 26 Exzerpte <em>De modis accusatorum et accusationum<\/em>, haupts\u00e4chlich aus Pseudoisidor (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Bei Fournier Nr. IX).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">79v\u201383v<\/td>\n<td>(VI) Dreizehn Exzerpte aus den pseudoisidorischen Dekretalen mit der Rubrik <em>Incipiunt capitula de epistolis apostolicis deflorata<\/em> (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Bei Fournier Nr. X. Dieser Teil auch in der erweiterten Capitulatio).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es folgt noch ein weiterer Abschnitt mit eigenen Exzerpten und Nachtr\u00e4gen, die bis auf wenige Ausnahmen in der \u00fcbrigen Isaak\u00fcberlieferung keine Parallele finden:<\/p>\n<table style=\"font-size: small\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">84r\u201394v<\/td>\n<td>(VII) Verschiedenes Material von verschiedenen H\u00e4nden ohne systematische Ordnung (vgl. Pokorny 1995 S. 173. Dieser Teil enth\u00e4lt eine Fehlbindung: Das Unio foll. 89\u201390 geh\u00f6rt nach fol. 84v. Richtige Reihenfolge: 1\u201384, 89\u201390, 85\u201388, 91\u201394).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Ausnahmen sind allerdings insofern gewichtig, als dass sie apokryph sind und nur als Satelliten zum Isaakmaterial auftreten. Nach Fournier sind sie \u201einspir\u00e9s par l\u2019esprit de la r\u00e9forme isidorienne\u201c (S. 361), da sie vorwiegend den Bischof und den Klerus vor laikaler Jurisdiktion sch\u00fctzen. Die vier Kapitel befinden sich auf den foll. 89r\u201390v (ed. Fournier 1899 Nr. IV, S. 359 Z. 9\u201335, S. 360 Z. 1\u201319, 20\u201329) und wiederholt auf den foll. 91r\u201392r (bei Fournier auch in Nr. XI). Ob diese Fiktionen von Isaak stammen oder ihm untergeschoben wurden, ist schwer zu entscheiden. Eine Aufarbeitung des gesamten Materials \u2013 bestenfalls auch textkritisch \u2013 ist derzeit noch ein Desiderat.<\/p>\n<p>Der Vergleich der erweiterten Capitulatio mit dem K\u00f6rper der Sammlung, wie Friedrich Maassen sagen w\u00fcrde, zeigt nun eine deutliche Evolution der Vorlage auf: Die Exzerptreihen IV und VI geh\u00f6ren offensichtlich einer \u00e4lteren Textschicht an, und sp\u00e4ter wurden die Reihen I\u2013III sowie V erg\u00e4nzt, ohne jedoch die Capitulatio zu aktualisieren. Ob die Teile IV und VI sogar urspr\u00fcnglich zu Isaaks Werk geh\u00f6rten oder zumindest von Isaak selbst nachgetragen wurden, bedarf noch einer weiteren Analyse.<\/p>\n<p>Ebenfalls aus der Vorlage \u00fcbernommen wurden die beiden Zus\u00e4tze zwischen der Praefatio und der Capitulatio (hier fol. 5v\u20136v), die in den Erstdruck von Jacques Sirmond (\u2020 1651) aus dem Jahr 1629 Eingang gefunden haben (vgl. Mordek 1980 S. 206f.; Pokorny 1995 S. 178): Kapitel 8 des <em>Capitulare missorum Suessionense<\/em> (BK 259) und ein diesem Kapitular, c. 7 nahestehendes <em>Capitulum de immunitatibus et placitis incertum, sin non falsum<\/em> (Mordek 1995 Anhang I Nr. 26). Das dritte bei Sirmond abgedruckte Zusatzkapitel steht im Kodex Paris, lat. 2449 nach der Capitulatio, w\u00e4hrend es in unserer Handschrift Paris, lat. 3877 fehlt. \u00c9tienne Baluze (\u2020 1718) hat f\u00fcr seine Ausgabe die <em>editio Sirmondiana<\/em> zugrunde gelegt, hat aber neben dem Codex Paris, lat. 3841 (s. X\u00b2, Frankreich) auch unsere Handschrift des Monats f\u00fcr Korrekturen herangezogen.<\/p>\n<p>Die Vorlage unserer Sammlung d\u00fcrfte also die Capitula Isaaks von Langres mit den Zus\u00e4tzen vor der Capitulatio, die sechs Exzerptreihen sowie die apokryphen St\u00fccke aus der siebten Reihe enthalten haben. Unter diesem Material befinden sich neben den bereits genannten Kapitularienkapiteln auf fol. 70r auch noch Ansegis 1, 85 und auf fol. 71r\u2013v das <em>Capitulum de nonis et decimis<\/em> (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/mordek-nr-21\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener\">Mordek 1995 Anhang I Nr. 21<\/a>), beide in der Exzerptreihe IV. Das Kapitel \u00fcber den Kirchenzehnten ist ebenfalls in den Isaak-Exzerpten der Handschriften New York, The Hispanic Society of America, MS HC 380\/819 (s. XI, S\u00fcdwestfrankreich\/Katalonien) und Wolfenb\u00fcttel, Herzog August Bibliothek, 212 Gud. lat. (s. XIII, Nordfrankreich) \u00fcberliefert, die beide der Isaak-Textklasse II angeh\u00f6ren (vgl. Pokorny 1995 S. 170 u. 175; Mordek 1995 S. 1012\u20131014, Hs. New York von Mordek \u00fcbersehen). Das Auftauchen dieses Kapitels in allen Isaak-Textklassen k\u00f6nnte vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass diese Exzerptreihe auch schon dem Archetyp angeh\u00f6rt hat. Zur Erinnerung: Reihe IV ist bereits in der erweiterten Capitulatio aufgenommen.<\/p>\n<p>Es ist vielleicht interessant, darauf hinzuweisen, dass der Schreiber nach der Capitulatio ca. ein Drittel der Seite (12v) und die urspr\u00fcnglich folgende (15r) leer lie\u00df; die Capitula Isaaks beginnen erst auf fol. 15v. Der Kopist wollte scheinbar noch etwas Platz lassen, um die Capitulatio sp\u00e4ter zu erg\u00e4nzen. Stattdessen wurde nach Fertigstellung der Abschrift irgendwann ein Unio an dieser Stelle (foll. 13f.) eingef\u00fcgt und der freie Raum mit Nachtr\u00e4gen versehen. Au\u00dferdem wurde dem Buchblock irgendwann noch ein Binio vorangebunden, das ebenfalls mit Nachtr\u00e4gen versehen ist. Daher tr\u00e4gt die ehemals erste Seite mit dem Besitzvermerk heute die Z\u00e4hlung fol. 5r.<\/p>\n<p>Der Kodex Paris, lat. 3877 ist einer der wenigen, die in Mordeks <em>Bibliotheca<\/em> keine Handschriftenanalyse erfahren haben. Diese Aufgabe wurde nun f\u00fcr die Capitularia-Homepage nachgeholt. Unbekannt war bislang der Nachtrag auf fol. 12v mit Ansegis 1, 1 (=Admonitio generalis, c. 1). Weitere Ansegis Kapitel finden sich auf fol. 4v (Ansegis 2, 27f.), fol. 15r (Ansegis 3, 43) und foll. 93v\u201394r (Ansegis 4, 22). Die Handschrift enth\u00e4lt folgende Zusatzkapitel aus Benedictus Levita: 1, 196f.; 1, 205f.; 1, 251; 1, 343 (foll. 14r\u201315r) und Add. 4, 171 (oder <em>Capitulare Wormatiense<\/em>, <a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/bk-nr-191\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener\">BK 191<\/a>) (fol. 83v). Erw\u00e4hnenswert erscheint noch die Rezeption des R\u00f6mischen Rechts (drei St\u00fccke aus der Epitome Aegidii: CTh. 16, 3f. u. Nov. Theod. 3, fol. 69r\u2013v; und eine Konstitution Theodosius II. und Valentinians III., fol. 79r) sowie eine bislang unbekannte \u00dcberlieferung der Lex Alamannorum, c. 19 (B) (fol. 84v). Zwei St\u00fccke stammen aus anderen Bischofskapitularien: Theodulf von Orl\u00e9ans, c. 20 (fol. 3r) und Herard von Tours, c. 79 (fol. 83v). Aus der fr\u00e4nkischen Gesetzgebung findet sich schlie\u00dflich noch auf fol. 15r das <em>Capitulum de contentione inter partem ecclesiasticam et saecularem<\/em> (<a title=\"zum Kapitular\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/capit\/ldf\/mordek-nr-20\/\" target=\"blank_\" rel=\"noopener\">Mordek 1995 Anhang I Nr. 20<\/a>).<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/cap\/publ\/material\/MOM_2017.11_P3877_fol_84r.PNG\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"415\" \/><\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"font-size: x-small\">Abb. Paris, BnF, Lat. 3877, <a title=\"zum Digitalisat\" href=\"http:\/\/gallica.bnf.fr\/ark:\/12148\/btv1b10542078f\/f175.item.r=3877\" target=\"blank_\" rel=\"noopener\">fol. 84r<\/a> (\u00a9 Gallica): Nachtr\u00e4ge und Erg\u00e4nzungen, hier auch in Tironischen Noten.<\/span><\/p>\n<p>Der Kern der Sammlung bietet also haupts\u00e4chlich karolingisches Material. Die Capitula Isaaks von Langres d\u00fcrften das Hauptinteresse f\u00fcr die Anschaffung der Handschrift gewesen sein. Rudolf Pokorny nimmt an, der Bischof von Langres habe sein Werk \u201enicht vor den sechziger Jahren des 9. Jahrhunderts\u201c (S. 162) erarbeitet. Unter Ber\u00fccksichtigung der fortgeschrittenen Evolution der Vorlage, d\u00fcrfte die heute im Kodex 3877 erhaltene Abschrift einige Zeit nach 860 entstanden sein (vgl. Mordek 1975 S. 126 mit Anm. 114), sodass das vierte Viertel des 9. Jahrhunderts eine gute Einsch\u00e4tzung darstellt. Unter den sp\u00e4teren Zus\u00e4tzen klafft eine L\u00fccke einerseits zwischen dem Bischofskapitular Herards von Tours (\u2020 30. Juni, wohl 871, Kapitular v. 16. Mai 858) und einem Gedicht Gottschalks von Orbais (\u2020 866~870, fol. 4r) und andererseits dem Kapitular Ottos III. als j\u00fcngste Nachtr\u00e4ge. Ob die Handschrift wirklich \u00fcber hundert Jahre gebraucht wurde, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Sicher ist jedoch, dass der letzte Nachtr\u00e4ger am Ende des 10. Jahrhunderts die Handschrift sehr gut kannte und das Kapitular in der thematisch richtigen Exzerptreihe einf\u00fcgte.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><em>Semih Heinen<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/mss\/paris-bn-lat-3877\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Handschriftenseite<\/a> (Beschreibung nach Mordek und Transkription)<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Fournier_1899\">Fournier 1899<\/a>, S. 357\u2013373<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Mordek_1975\">Mordek 1975<\/a>, S. 175\u2013180<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Schmitz_G_1977\">Schmitz G 1977<\/a>, S. 360\u2013386<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Mordek_1980\">Mordek 1980<\/a>, S. 203\u2013210<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Mordek_1995\">Mordek 1995<\/a>, S. 1011\u20131014, S. 1021f. und 1033<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Pokorny_1995\">Pokorny 1995<\/a>, S. 161\u2013179<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Schmitz_G_2008a\">Schmitz G 2008a<\/a> (abgerufen am 18.10.2017)<br \/>\n<a title=\"Zur Bibliographie\" href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/resources\/biblio#Bischoff_2014\">Bischoff 2014<\/a>, S. 92f. Nr. 4292<\/p>\n       <div class=\"cite_as\">\n         <h5>How to cite<\/h5>\n         <div>\n           <span class=\"author\">Semih Heinen<\/author>,\n           <span class=\"title\">Manuscript of the Month November 2017: Paris, BnF, Lat. 3877<\/title>,\n           in: Capitularia. Edition of the Frankish Capitularies, ed. by\n           Karl Ubl and collaborators, Cologne 2014 ff.\n           \n           URL: https:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/en\/blog\/handschrift-des-monats-november-2017\/ (accessed on 05\/08\/2026)\n         <\/div>\n       <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Isaak von Langres und Pseudoisidor Der Kodex Paris, BnF, lat. 3877 scheint f\u00fcr einen Zeitraum von \u00fcber hundert Jahren eine gern genutzte Gebrauchshandschrift gewesen zu sein. 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