Capitularia - Edition der fränkischen Herrschererlasse

Troyes, Bibliothèque municipale, 1979

Beschreibung nach Mordek

Aufbewahrungsort:
Troyes
Bibliothèque municipale
1979
Sigle: Tr

foll. 2-40

Entstehung und Überlieferung
Entstehung:

11. Jh., 1. Hälfte; Ostfrankreich oder Westdeutschland.

Provenienz:

Saint-Bénigne, Dijon. Die Hs. gehörte laut Besitzeintrag fol. 1r im Jahre 1721 zur Bibliothek des Parlamentspräsidenten Jean IV Bouhier († 1746) (dortige Signatur F. 14).

Äußere Beschreibung
Material: Pergament
Umfang: insg. 339 foll. (gezählt 2-338, 182bis, 258bis); hier: foll. 2-40
Maße: 146 × 97 mm
Schriftraum: 112-120 × 60 mm
Lagen:
11 + 4 IV33 + IV41 + I43 + 14 IV155 + (IV+1)164 + (VII+1)179 + 4 IV210 + [III216 + II220] + 5 IV259 + V269 + 4 IV301 + (IV+2)311 + (IV+1)320 + IV328 + (IV+2)338.
Kustoden: Qvat. I (2r) bis XL (337r).
Zeilen: 23
Spalten: 1
Schrift: karolingische Minuskel
Ausstattung:

Rubriken orangerot oder in hell- bis dunkelbrauner Texttinte; Initialen ebenfalls orangerot oder in Texttinte

Einband:

Halbpergamenteinband, Deckel größtenteils aus Leinen

Inhalte
Anmerkung:

IN HOC VOLVMINE CONTINENTVR LIBRI CATHOLICAE FIDEI ET ECCLESIASTICORVM DOGMATVM AC OFFICIORVM CANONVM QVOQVE ATQVE POENITENTIALIVM heißt es zu Beginn (fol. 2r) der Hs., und mit dieser Generalrubrik ist der dreiteilige Hauptinhalt des umfangreichen Bandes in der Tat treffend umschrieben. Geboten werden in Teil 1 (foll. 2-40) unter anderem ein Kommentar zum Glaubensbekenntnis Quicumque, Gennadius' Liber ecclesiasticorum dogmatum und Bachiarius' De fide, in Teil 3 (foll. 244-337) vor allem Bußtexte, beginnend mit Buch 1 des Paenitentiale Halitgars von Cambrai.

    Bibliographie
    Literatur:
    Kataloge:
    • Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques des départements 2 (Quarto Series) (1855) S. 810-812
    Projektspezifische Referenzen:

    foll. 40v-243v

    Entstehung und Überlieferung
    Entstehung:

    11. Jh., 1. Hälfte; Ostfrankreich oder Westdeutschland.

    Provenienz:

    Saint-Bénigne, Dijon. Die Hs. gehörte laut Besitzeintrag fol. 1r im Jahre 1721 zur Bibliothek des Parlamentspräsidenten Jean IV Bouhier († 1746) (dortige Signatur F. 14).

    Äußere Beschreibung
    Material: Pergament
    Umfang: insg. 339 foll. (gezählt 2-338, 182bis, 258bis); hier: foll. 40v-243v
    Maße: 146 × 97 mm
    Schriftraum: 112-120 × 60 mm
    Lagen:
    11 + 4 IV33 + IV41 + I43 + 14 IV155 + (IV+1)164 + (VII+1)179 + 4 IV210 + [III216 + II220] + 5 IV259 + V269 + 4 IV301 + (IV+2)311 + (IV+1)320 + IV328 + (IV+2)338.
    Kustoden: Qvat. I (2r) bis XL (337r).
    Zeilen: 23
    Spalten: 1
    Schrift: karolingische Minuskel
    Ausstattung:

    Rubriken orangerot oder in hell- bis dunkelbrauner Texttinte; Initialen ebenfalls orangerot oder in Texttinte (nur foll. 211-220 dunkelrot)

    Einband:

    Halbpergamenteinband, Deckel größtenteils aus Leinen

    Inhalte
    Anmerkung:

    Auch auf dem später eingefügten Quinio foll. 211-220 (11. Jh.) sind kirchliche und weltliche Rechtstexte zusammengestellt, so neben einem Exzerpt aus der Collectio canonum Herovalliana die Kapitel 43 und 47 des Konzils von Meaux-Paris (a. 845-846) (MGH Capit. 2, S. 408 ff.; MGH Conc. 3, S. 105 und 107 f.) sowie Kapitel aus Benedictus Levita (3, 432-433 = Add. 3, 123-124 und Add. 3, 104; MGH LL 2, 2, S. 129 f. bzw. 145 und 144) und - nach der Inskription HȨ SVNT LEGES EX CANONVM AVCTORITATIBVS QVAS CONSTITVIT TENERE LVDOWICVS PIISSIMVS CESAR ROMANORVM ATQVE FRANCORVM (fol. 213v) - Ansegis von Fontenelle (1, 104, 111 und, unterbrochen von einem Teil des eben erwähnten Materials, 58-60; MGH Capit. 1, S. 409, 401 f.). Diese in gewisser Nähe zur Reimser Gruppe stehende Ansegis-Rezeption stammt, wie zu erwarten, aus einer anderen Vorlage als das obige Exzerpt.

    Teil 2 (foll. 40v-243v ) setzt sich zusammen aus Pseudo-Alkuins Liber de divinis officiis (foll. 40v-41r, 44v-157v) und der Kanonessammlung in 234 Kapiteln (foll. 41v-44r, 158r-210v, 221r-243v). Die mit der Sammlung der wohl lotharingischen, später Augsburger Hs. München Lat. 3851 verwandte Collectio 234 capitulorum hat Capitula episcoporum (unter anderem Capitula I Theodulfs von Orléans) wie königliche Kapitularien aufgenommen, und zwar neben Exzerpten aus der Kapitulariensammlung des Ansegis von Fontenelle (1, 10, 24, 35, 37-38, 54, 131 und 4, 59, mit der Inskription ITEM EX CAPITVLARIBUS GLORIOSISSIMORVM IMPERATORVM KAROLI, LVDOWICI ET CHLOTHARII [foll. 224r-225r], nach G. Schmitz am ehesten, aber vage, verwandt mit Cod. Vatikan Ottob. Lat. 258; MGH Capit. 1, Teile von S.-398-401, 411 und 444) und den Falschen Kapitularien des Benedictus Levita (3, 206 [fol. 210v]; MGH LL 2, 2, S. 115), beginnend mit neuer Lage:

    • 221r
      CAP. XXVII (CCVIIII der Collectio 234 capitulorum) - Capitulare ecclesiasticum (a. 818/819), c. 27: Sancitum est et modis omnibus prohibitum ut nullus omnino quemlibet examinationem crucis - obtentui habeatur (MGH Capit. 1, Nr. 138, S. 279 Z. 29 f.).

    • 226v-227r
      (CCXXIII-CCXXVII der Collectio 234 capitulorum) Capitulare ecclesiasticum (a. 818/819), Inskription, cc. 8-10, 18, 21, 1. Teil: EX CAPITVLARI DOMNI KAROLI ET LVDOWICI (korr. aus -IDI) FILII EIUS. Statum est ut nullus in canonica aut regulari professione - debent eligant (MGH Capit. 1, Nr. 138, S. 277 Z. 18-29, S. 278 Z. 13-18, 26-29).

    • 227v-238r
      (CCXXVIII der Collectio 234 capitulorum) Admonitio generalis (a. 789), ohne c. 29: Regnante domino nostro iesu christo. Ego karolus gratia dei eiusque misericordia donante rex - gloria domino deo nostro iesu christo amen (MGH Capit. 1, Nr. 22, S. 53 Z. 21 - S. 56 Z. 6, S. 56 Z. 9 - S. 62 Z. 14; de Clercq, Neuf capitulaires, S. 14-34), mit anschließender Datierungszeile: Anno dominicę incarnationis DCC° LXXX° VIIII° - data est haec carta die decimas kl. aprilis (MGH Capit. 1, S. 62 Z. 32-34). Danach:

    • 238v-239r
      Regula formatarum des Atticus, mit dem Zusatz Reginos von Prüm (MGH Formulae, S. 557 f.).

    Bibliographie
    Literatur:
    Kataloge:
    • Catalogue général des manuscrits des bibliothèques publiques des départements 2 (Quarto Series) (1855) S. 810-812
    Projektspezifische Referenzen:

    foll. 244-337

    Entstehung und Überlieferung
    Entstehung:

    11. Jh., 1. Hälfte; Ostfrankreich oder Westdeutschland.

    Provenienz:

    Saint-Bénigne, Dijon. Die Hs. gehörte laut Besitzeintrag fol. 1r im Jahre 1721 zur Bibliothek des Parlamentspräsidenten Jean IV Bouhier († 1746) (dortige Signatur F. 14).

    Äußere Beschreibung
    Material: Pergament
    Schrift: karolingische Minuskel
    Ausstattung:

    Rubriken orangerot oder in hell- bis dunkelbrauner Texttinte; Initialen ebenfalls orangerot oder in Texttinte

    Einband:

    Halbpergamenteinband, Deckel größtenteils aus Leinen

    Inhalte
    Anmerkung:

    In diesem Teil (foll. 244-337) vor allem Bußtexte, beginnend mit dem Buch 1 des Paenitentiale Halitgars von Cambrai.

      Transkription

      Editorische Vorbemerkung zur Transkription

      Transkriptionsvorlage: Die Transkription erfolgte auf Grundlage eines s/w-Scans vom Mikrofilm in ausreichender Qualität. Die erste Nachkollation erfolgte am Mikrofilm selbst.

      Schreiber

      Foll. 221r, 226v-227r: Der Schreiber verwendet eine gut lesbare karolingische Minuskel.

      Buchstabenformen

      Foll. 221r, 226v-227r: Einzelbuchstaben: Es sind wenige auffällige Buchstabenformen zu vermerken. Die Oberlängen von b, d, h und l sind verdickt und weisen manchmal kleine Sporen auf. Unziale Buchstabenformen finden sich bei d und n. Die e-caudata taucht häufiger auf, vor allem bei den Formen von ecclesia. Neben dem üblichen Schaft-s wird auch rundes s verwendet.

      Ligaturen: Ligaturen kommen nicht allzu oft vor, neben den gängigen findet sich eine vs-Ligatur am Wortende. Die einer arabischen Zwei nachempfundene ur-Kürze ist dahingehend sehr spezifisch, dass der Balken keine gerade Linie, sondern einen Bogen bildet.

      Besonderheiten: Dittographie findet sich bei ammittunt und abssens (fol. 227r, BK 138 c. 21). Bei der Auszeichnungsschrift werden Majuskel- wie Minuskelformen verwendet. Das Majuskel-P kommt mit am unteren Schaftende nach rechts angesetztem Balken daher.

      Gliederungsmerkmale

      Foll. 221r, 226v-227r: Die cc. 8-10, 18, 21 (c. 21 unvollständig, nur bis eligere debent eligant) und 27 des Capitulare ecclesiasticum (BK 138) sind Bestandteil der Collectio 234 capitulorum, einer Kanonessammlung des 10. Jahrhunderts (Kéry 1999, S. 186). Innerhalb dieser Sammlung bilden die cc. 8-10, 18 und 21 eine Einheit (foll. 226v-227r), da sie von CCXXIII bis CCXXVII durchgezählt und unter einer Rubrik subsumiert sind, die sie als Auszüge eines Kapitulars Karls des Großen und Ludwigs des Frommen kennzeichnen. Neben Initialen, die jedes neu beginnende Kapitel schmücken, gibt es innerhalb der Kapitel farbig verzierte Majuskeln. Das 27. Kapitel von BK 138 ist von den anderen abgekoppelt und schon vorher auf fol. 221r zu finden, nach einem Kanon eines Konzils von Karthago. Es wurde direkt mit zwei Kapitelnummern versehen, die durch ein umgedrehtes Paragraphenzeichen getrennt sind. Neben der laufenden Nummer innerhalb der Collectio (CCVIIII), die am Rand notiert ist, steht - mehr in den Textblock integriert - die XXVII als Zahl, was auf die Stellung des Kapitels innerhalb des Capitulare ecclesiasticum verweist. Die Zählung als XXVII könnte somit auf den Schreiber zurückgehen, zumal die Tinte heller erscheint als die in farbiger Tinte geschriebene durchgehende Nummerierung CCVIIII, die dementsprechend eher von einer anderen Hand, die ebenfalls bei der Anlage der Handschrift beteilgt war, stammt.

      [fol. 221r] BK 138
      CAPITULUM XXVII · CCVIIII  
      BK 138 c. 27
      [BK 138 c. 27]
      Sancitum est et modis omnibus prohibitum · ut nullus omnino quemlibet examinationem crucis facere presumat · ne christi passione glorificata cuivslibet temeritate obtentui habeatur ˙  
      [fol. 226v]
      EX CAPITVLARI DOMNI KAROLI · ET LUDOVVICI1* FILII EIUS ˙  
      CCXXIII  
      BK 138 c. 8
      [BK 138 c. 8]
      Statum [!] est ut nullus in canonica aut regulari professione constitutvs · alicui tonsorare propter res adipiscendas deinceps persuadeat · et qui hoc facere temptauerit · synodali uel imperiali sententia modis omnibus feriatur ·  
      1*
      korr. aus LUDOVVIDI
      CCXXIIII  
      BK 138 c. 9
      [BK 138 c. 9]
      Statutum est ut sine auctoritate uel consensu episcoporum presbiteri in quibuslibet ęcclęsiis nec constituantur nec expellantur · Et laici clericos probabilis uitę et doctrinę episcopis consecrandos · suisque in ęcclesiis constituendos obtulerint · nulla qualibet occasione eos reiciant ˙  
      CCXXV  
      BK 138 c. 10
      [BK 138 c. 10]
      Sancitum est ut unicuique ęcclesię unus mansus integer absque alio seruitio adtribuatur · et presbiteri in eis constituti non decimis neque de oblationibus fidelium non de domibus neque de atriis · uel ortis · [fol. 227r] iuxta ęcclesiam positis · neque de prescripto manso2* aliquod seruitium preter ęcclesiasticum faciant · Et si aliquid3* amplius habuerint · inde sinioribus suis debitum seruitium inpendant ˙  
      2*
      o mit Einfügungszeichen ergänzt
      3*
      gek. aliqid
      CCXXVI  
      BK 138 c. 18
      [BK 138 c. 18]
      De presbiteris qui accipiendi4* chrismatis gratia ad ciuitates in cena domini ueniri soliti erant · sancitum est ut de his qui longe positi sunt de octo uel decem unus ab episcopo eligatur qui acceptum chrisma et sibi et sociis diligenter perferat · Hi uero qui non longius a ciuitate quam quatuor aut quinque milibus habitant · more solito ad accipiendum chrisma · Discendi uero gratia alio non quadragesimo tempore ad ciuitates conuocentur ˙  
      4*
      Nach diesen vier Worten bleibt der Rest der Zeile frei. Vielleicht ein Hinweis auf möglichen Freiraum für eine Rubrik?
      CCXXVII  
      BK 138 c. 21
      [BK 138 c. 21]
      De feminis quę uiros ammittunt placet ne se sicut actenus indiscrete uelent · sed ut triginta dies post decessum uiri sui expectent · et post tricesimum diem per consilium episcopi sui · uel si episcopus abssens fuerit consilio aliorum religiosorum sacerdotum · suorumque parentum atque amicorum id quod eligere debent eligant ˙