Capitularia - Edition der fränkischen Herrschererlasse

Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 4633

London, British Library, Egerton 269, London, British Library, Egerton 2832 und Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 7561

Beschreibung nach Mordek

Aufbewahrungsort:
Paris
Bibliothèque Nationale
Lat. 4633
Sigle: L [Diese Sigle bezieht sich auch auf die Handschriften London, British Library, Egerton 269, London, British Library, Egerton 2832 und Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 7561]
Digitalisat verfügbar bei BN
Entstehung und Überlieferung
Entstehung:

10. Jh., Anfang; Nordostfrankreich.

Provenienz:

Corbie (?). Pierre und François Pithou waren noch im Besitz des Gesamtkorpus. Später in drei Teile zerlegt und getrennt verkauft. Dieser Teil: Claude Du Puy († 1594). Alte Signatur: Regius 5190.

Äußere Beschreibung
Material: Pergament
Umfang: insgesamt noch 183 foll., hier 121 foll. (gezählt 1-120, 96 bis)
Maße: ca. 210 × 170 mm
Schriftraum: ca. 175-180 × 115 mm
Lagen:
4 IV32 + 133 + I35 + 4 IV67 + III73 + 6 IV120
Kustoden: Q. I (43v) bis Q. VII (89v), Q.X (112v), Q. XI (120v). Mit fol. 36 von Cod. Paris Lat. 4633 (nach den Kustoden beginnt hier eine erste Lage) setzt der zweite Teil der Hs. ein.
Zeilen: 25-28
Spalten: 1
Schrift: karolingische Minuskel
Ausstattung:

Rubriken (Capitalis rustica) in Rot, ab fol. 36 auch in brauner Texttinte.

Inhalte
Anmerkung:

Der Umfang dieses auch für die Textüberlieferung wichtigen spätkarolingischen Rechtsbuches wird erst aus der Rekonstruktion der heute versprengten Teile sichtbar, die immerhin noch 183 Blätter ausmachen. Demnach folgen auf das fränkische Recht der Salier und Ribuarier, dem sich die seltene Lex Saxonum anschließt, der knappe Kapitularienteil mit Erlassen Karls des Großen (in gleicher Abfolge schon in Cod. Montpellier H 136) und Ludwigs des Frommen (bis a. 818/819) sowie weitere Leges (Alamannorum, Baiuvariorum, Burgundionum) und römisches Recht. Vielleicht sind nach der fragmentarischen Divisio regnorum am Schluß noch Kapitularien verlorengegangen.

Daß der (erhaltene) Kapitularienblock von Leges eingerahmt wird, ist keine Besonderheit. Ungewöhnlicher schon scheint die Position der Lex Romana Visigothorum gegen Ende zwischen zwei Leges und der danach vorgenommene erneute Rückgriff auf Kapitularienrecht. Dies dürfte die Annahme Kruschs bestätigen, das in zwei Teilen geschaffene Werk (Teil II ab Cod. Paris Lat. 4633, fol. 36, inmitten der Lex Baiuvariorum) sei nicht ursprünglich so geplant gewesen.

  • 1r-18r
    Fortsetzung der Lex Alamannorum (Klasse B), Text ab Titel 2, 2 Si autem illa carta bis Schluß (MGH LL nat. Germ. 5, 1, S. 67-156; Sigle B 1; zur Hs. S. 14).

  • 18r-35r
    Lex Baiuvariorum (Klasse A), bis XII, 7 (MGH LL nat. Germ. 5, 2, S. 198-402; Sigle P 6 [= A1 in der Edition Merkels]; zur Hs. S. 186).

  • 35v
    Leer

    Auf neuer Lage beginnt mit anderer Hand der zweite Teil der Hs.:

  • 36r-44v
    Fortsetzung der Lex Baiuvariorum ab XII, 8 nach einer Hs. der Klasse E (MGH LL nat. Germ. 5, 2, S. 402-473; Sigle P 6 [= A1 in der Edition Merkels]; zur Hs. S. 186).

  • 44v-99v
    Lex Romana Visigothorum (ed. Hänel, S. 2-452; zur Hs. S. LXXVI).

  • 99v-120v
    Lex Burgundionum (Klasse B) bis Titel 75, 3 placuit obseruare (MGH LL nat. Germ. 2, 1, S. 30-100; Sigle B 4; zur Hs. S. 16).

Bibliographie
Literatur:
Kataloge:
  • Catalogus codicum manuscriptorum Bibliothecae Regiae 3, 3 (Paris 1744) S. 617.
  • F. Madden, Index to the Additional Manuscripts, with those of the Egerton Collection, preserved in the British Museum, and acquired in the years 1783-1835 (London 1849)
  • Catalogue of Additions to the Manuscripts in the British Museum in the Years MDCCCC-MDCCCCV (London 1907) S. 386 f.
Projektspezifische Referenzen:
  • Mordek 1995, S. 226-231
  • Bibliotheca legum regni Francorum manuscripta, Karl Ubl (Hrsg.) unter der Mitarbeit von Dominik Trump und Daniela Schulz, Köln 2012.