Capitularia - Edition der fränkischen Herrschererlasse

Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 4419

Beschreibung

Aufbewahrungsort:
Paris
Bibliothèque Nationale
Lat. 4419
Sigle: P 58
Digitalisat verfügbar bei BN
Entstehung und Überlieferung
Entstehung:

10. Jh., Frankreich (Hänel, Liebs); 10. Jh. (Mommsen, Meyer); 9./10. Jh. (Bischoff HA); Ende 9./Anfang 10. Jh., Sens (Ganivet).

Anmerkung:

Die Handschrift ist in Mordeks Bibliotheca nicht verzeichnet. Zum "Neufund" dieser Teilüberlieferung vgl. Bibliotheca legum

Äußere Beschreibung
Umfang: 78 foll.
Zeilen:
Spalten: 1
Inhalte
  • 1r
    Glossen (u.a. Isidor, Etymologiae) (ed. Hänel 1849 S. 461) und weitere Notizen, v.a. neuzeitliche Bibliotheksvermerke.

  • 1v
    Capitula legibus addenda (818/819), Cap. 10: KAROLI cap. decimum Legis salicae LX. DE FALSIS TESTIBUS CONVINCENDIS. Si quis cum altero de qualibet causa - testes habere (MGH Capit. 1, Nr. 139, S. 282 Z. 40 - S. 283 Z. 20)

  • 2r - 76v
    Epitome Monachi mit Prolog

  • 76v - 78r
    Interpretation einer Novelle, Appendix I zur Lex Romana Visigothorum, Verse

Transkription

Editorische Vorbemerkung zur Transkription

Transkriptionsvorlage: Die Transkription wurde erstellt nach einem hochauflösenden Farbdigitalisat auf GALLICA, auf dem allerdings z.T. die letzten Worte einer Zeile nur unvollständig lesbar sind, da die letzten 1-3 Buchstaben/Zeichen oft in der Bindung verschwinden.

Schreiber

Das hier transkribierte Einzelkapitel findet sich als Nachtrag (?) auf fol. 1v vor Beginn des eigentlichen Inhalts der Handschrift und ist in einer karolingischen Minuskel geschrieben, die etwa zeitgleich mit der Schrift der Haupthand anzusetzen ist (10. Jh.), aber in dunklerer Tinte geschrieben wurde.

Buchstabenformen

Buchstabenformen: Es finden sich ein- und doppelstöckiges a.

Ligaturen: Der Schreiber verwendet häufig et-, or- und st-Ligaturen. An zwei Stellen wird eine ungewöhnliche ra-Ligatur verwendet, bei der der Schulterstrich des r auf die Grundlinie gezogen und zu einem an ein beneventanisches cc-a erinnernden a ausgebaut wird, bei dem der obere Teil des nach rechts auslaufenden Bogens nicht in einem Zug ausgeführt, sondern neu angesetzt wird (fol. 1v, Z. 3: coram und Z. 16: querantur).

Besonderheiten: Das Incipit wurde in Capitalisbuchstaben mit einzelnen unzialen Elementen geschrieben.

Abkürzungen

Der Schreiber verwendet insgesamt wenige und vorrangig herkömmliche Abkürzungen für -us, per- und pro- sowie Nasalstrich am Wortende.

Gliederungsmerkmale

BK 139 c. 10 ist hier einzeln überliefert, weshalb sich über die Gliederung der Kapitelliste, die wahrscheinlich die Vorlage für die Kopie abgab, nichts sagen läßt. Es ist sogar nicht auszuschließen, daß auch die Vorlage nur dieses eine Kapitel enthielt, wobei dem Kopisten jedoch klar gewesen sein muß, daß er das 10. Kapitel einer umfangreicheren Sammlung vor sich hatte; vgl. die Überschrift am oberen Seitenrand vor der Rubrik: KAROLI cap[itulum] decimu[m] . Legis salicae LX. (teilweise durch Beschnitt der Seite beschädigt, aber gut lesbar); durch diese Überschrift wird das Kapitel zudem Karl (dem Großen) zugewiesen und als eine Erweiterung nicht der Leges allgemein, sondern speziell der Lex Salica interpretiert. Das vorhandene Blatt scheint nicht aus dem Kontext einer ursprünglich umfangreicheren Kopie zu stammen: Der Text beginnt oben auf der Verso-Seite von fol. 1 und endet etwa in deren Mitte, der Rest der Seite blieb frei. Die Recto-Seite ist zu ca. 1/3 mit Glossen beschrieben (ed. Hänel 1849 S. 461), darunter folgen spätere Einträge, v.a. neuzeitliche Bibliotheksvermerke. Der Rest des Codex beinhaltet römisches Recht.

Sonstiges

Wahrscheinlich eine direkte Kopie dieser Überlieferung enthält die Hs. Paris lat. 18237.

BK 139 [fol. 1v]
KAROLI capitulum1* decimum2* · Legis salicae LX ·  
DE FALSIS TESTIBVS CONUINCENDIS  
BK 139 c. 10
[BK 139 c. 10]
Si quis cum altero de qualibet causa contentionem habuerit .' et testes coram eo per iudici[ . ] producti fuerint · si ille falsos eos suspicatur .' liceat ei alios testes quos meliores potueri[ . ] contra eos opponere · ut ueracium3* testimonio4* peruersitas superetur ·,· Quod si ambae partes testium ita inter se dissenserint ut nullatenus una pars alteri cedere uelit .' e[ . . ]gantur duo ex ipsis id est ex utraque parte unus qui cum scutis et fustibus in campo decerten[ . ] Utraque pars falsitatem utraque ueritatem suo testimonio sequatur ·,· Et campio qui uictus fu[ . ]rit propter periurium quod ante pugnam commisit  .'5* dextram manum perdat ·,· Cęteri uero testes falsi .' m[ . . ] redimant ·,· Cuius compositionis duę partes ei contra quem testati sunt .' dentur ·,· Tertia · pro fredo soluatur ·,· et hoc in secularibus causis ·,· In ecclesiasticis autem ubi6* de una parte secular[ . ]7* de altera uero8* ecclesiasticum negotium est .' idem modus9* seruetur ·,· Ubi tamen ex utraque part[ . ] ecclesiasticum fuerit .' rectores ecclesiarum si pacificari possunt · licentiam habeant ·,· Si autem h[ . . ] definire non possit10* .' aduocati eorum in mallo ad presentiam comitis ueniant et ibi legiti[ . ] terminus eorum contentionibus11* imponatur ·,· Testes uero de qualibet causa nisi de [ . . ]so comitatu in quo res unde causa agitur positae sunt .' non querantur .' quia non est credibile ut de statu hominis uel possessione12* cuiuslibet · per alios me[ . . ]us ueritas agnosci possit quam per uicinantes ·,· Si tamen contentio quę in[ . . ] eos exorta est · in confinio duorum fuerit commitatuum .' liceat eis de ui[ . . ]na centena adiacentis comitatus ad causam suam testes habere ·,·  
1*
gek. cap
2*
Erkennbar ist nur decimu, ein wahrscheinlich ursprünglich vorhandener Kürzungsstrich für die Endung -m ist wohl durch den Beschnitt der Seite verlorengegangen.
3*
korr. aus ueratium
4*
korr. aus testimonium
5*
 .' ergänzt
6*
Davor evtl. ein Buchstabe (c?) sowie ein Kürzungsstrich über dem u getilgt; also evtl. u korr. aus cum?
7*
ec korr. (?)
8*
korr. aus #ut, evtl. aut(em)?
9*
gek. mod
10*
gek. poss
11*
korr. aus tontentionibus
12*
korr. aus possessionem